Isen 2026

28.05.-31.05.26
Isen

Nachdem Leif den Flo zu Weißenhorn getroffen hatte, ward den Wölfen kundgetan, dass ihnen gewährt sei, bereits am Donnerstag den Lagerplatz zu beziehen.

Groß war die Freude in der Sippe, denn ein früher Beginn verheißt stets mehr Tage im Felde, mehr Geschichten am Feuer und mehr Becher Met in guter Gemeinschaft.

Leif und Angel jedoch hielten Rat über die Art des Packens der Kutschen. Zwar blieb die Habe der Sippe gleich an Menge, doch ward sie fortan mit größerer Ordnung und Sorgfalt verstaut, auf dass weder Wagen noch Gut Schaden nähmen.

Doch ehe der Aufbruch geschehen konnte, erhob sich am Mittwochabend ein gewaltiger Wind über Land und Wald, als hätte der Himmel selbst seine Pforten geöffnet.

Da kam eine Brieftaube geflogen, gesandt von Flo, und brachte folgende Kunde:

„Liebe Jarle, durch den starken Wind der vergangenen Tage muss der Förster das Gelände erneut prüfen, damit kein Mensch zu Schaden komme. Darum verschiebt sich der Aufbau von der Mittagsstunde auf den Nachmittag. Herzlichst euer Flo.“

Da sprach Leif: „Nicht nach unserem Wunsche, doch wohl nach Vernunft.“

Und sogleich entsandte er Boten aus den Reihen der Wölfe, auf dass alle Sippen diese Kunde und die neue Zeit erführen.

Am folgenden Tage traf die Vorhut am Lagerplatze ein und begann sogleich mit dem Errichten der Zelte.

Nur Angel weilte noch fern, denn sie hatte daheim noch mancherlei zu ordnen.

Da geschah es, dass Jenna mit ihrem Gefolge unverhofft im Lager erschien.

Leif trat ihnen entgegen und sprach: „Seid willkommen, denn bei den Wölfen ist jeder Gast willkommen, der in Frieden kommt.“

Doch später murmelte er bei sich: „Mit meiner Gemahlin muss ich ernstlich reden.“

So wuchs das Lager, und mit ihm auch die Enge, doch die Eintracht ward stärker als das Gedränge.

Als der Abend nahte, traf auch Angel ein. Das Lager stand bereits, und so ward ihre erste Sorge Speis und Trank.

Sie zog mit Eriks Tochter aus zu einer nahegelegenen Taverne und brachte ein reichliches Mahl zurück, welches mit großer Freude empfangen ward.

Doch die Nacht war kurz, denn die Mühen des Aufbaus hatten Kraft genommen, und so suchte die Sippe bald die Ruhe der Lagerstätten.

Am Freitag gedachte Angel, die Waschhäuser zu erproben.

„Ein Königreich für warmes Wasser! Ob die Götter uns dieses Jahr gnädiger sind als im vergangenen?“, sprach sie.

Und siehe – heißes Wasser ward ihr zuteil.

Gereinigt kehrte sie ins Lager zurück und rief:

„Höret, Wölfe! Die Zustände sind dieses Jahr von milderer Art! Warmes Wasser ist in Fülle vorhanden für all jene, die es begehren!“

Da erhob sich frohes Lärmen im Lager.

Kurz darauf ritten Liv und Angel aus, um Vorräte vom Markte zu holen, während die übrigen die Zelte und das Lager ordneten.

Mit dem Öffnen des Marktes erschien auch Sevgi, eine Freundin Livs aus südlichen Landen, welche zuvor nur aus Erzählungen bekannt war.

Sie brachte Speisen fremder Zubereitung: Weinblätter, Börek und süßes Backwerk.

Und die Wölfe fielen darüber her, als hätten sie lange gefastet.

Der Tag verging schnell, und bald ward das Abendmahl bereitet.

An der Feuerschale erklangen Gesang, Gelächter und mancher Becher Met bis tief in die Nacht.

Am Samstagmorgen zog Suse aus dem Nachbarlager mit Angel aus, um beim Bauern Eier und Met zu erwerben.

Liv ritt derweil zum Fischer, um den bestellten Fisch entgegenzunehmen.

Im Lager selbst mehrte sich das Treiben, und der Axtwurf zog viele Gäste an.

Da geschah es, dass Varg und Elin unverhofft erschienen, obwohl sie zuvor ihre Abwesenheit verkündet hatten.

Groß war die Freude, und sogleich ward ein Feuer entzündet.

Varg nahm die Axt in die Hand und zeigte sein Können, während Elin den Würfelbecher ergriff und Runa nach würdigem Gegner verlangte.

So verging der Tag in Spiel und Werk.

Angel bereitete Speisen, Liv brachte wundersame Trünke vom Markt, und Met ward reichlich aus dem „Rasenden Wikinger“ herbeigeschafft, dass keiner dürsten musste.

Am Abend ward das Mahl bereitet.

Durch die neue Küche ward Stockfisch am Feuer gebraten und mit Kartoffelsalat gereicht, für andere auch mit Bratkartoffeln.

Und währenddessen trieb Varg ein kindlich Spiel mit einem gefundenen Spielzeug, was großes Gelächter erweckte.

So endete auch dieser Tag in Freude und reichlichem Mahl.

Am Sonntag dann erschienen Torstein und Gisla mit frischem Brote und wurden sogleich an die Tafel gebeten.

Doch kaum war das Mahl beendet, da kamen die Raben Odins mit düsterer Kunde.

Ein Sturm sei im Anzug, mit Donner und großem Regen.

Leif sprach: „Es gilt, Flo Nachricht zu senden und alles zum schnellen Abbau zu rüsten.“

Kaum war dies gesprochen, da erschien Flo selbst im Lager.

„Fürchtet euch nicht“, sprach er, „wir wachen über das Wetter. Unser Seher sagt, es werde nicht allzu schlimm werden.“

Doch Angel erhob die Stimme und sprach:

„Ob schlimm oder nicht – alles sei gerüstet, auf dass wir im Notfall schnell handeln können.“

Und so geschah es.

Der Tag verging in Ruhe, doch die Wölfe bereiteten alles vor, banden, sicherten und verstauten, auf dass kein Wind sie unvorbereitet treffe.

Als der Nachmittag nahte, erhob sich der Wind erneut, stärker denn zuvor.

Ein Herold lief über den Platz und rief:

„Werte Gäste, verlasst den Ort in Frieden, doch ohne Verzug! Der Sturm naht!“

Und so geschah es.

Als der Sturm kam, saßen die Wölfe dennoch beisammen, spielten Farkle und hielten Wacht über Planen und Zelte.

Nach einer Stunde jedoch legte sich der Zorn des Himmels wieder, als wäre er nur kurz über das Land gezogen.

Die Zelte waren durchnässt, doch das Lager stand fest.

Und die Wölfe halfen gar den Nachbarn beim Aufräumen, wie es ihrer Sitte entsprach.

So endete das Lager ohne großen Schaden, doch mit nassen Kleidern und schwerer Erde.

Und man sprach noch lange davon, dass es gut sei, auf die Zeichen des Himmels zu hören und auf jene, die sie zu deuten wissen.

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