
31.07.-02.08.26
Grafenau
Im sechshundertfünfzigsten Jahre des Säumerfestes ward ein großes Jubiläum ausgerufen, und selbstverständlich gedachten auch die Wölfe, diesem Feste ihre Ehre zu erweisen. Lange schon war ihre Ankunft beschlossen, und niemand dachte daran, den Ruf des Festes ungehört verhallen zu lassen.
Doch wie so oft prüften die Nornen den Willen der Sippe.
Nur wenige Tage vor der Abreise lenkte Leif seine Kutsche über die Felder, als ihm ein anderer Kutscher in törichter Weise den Weg schnitt. Es kam zum harten Zusammenstoß. Wohl sprach jedermann dem Fremden die Schuld zu, doch half dies wenig. Die Sippenkutsche war schwer beschädigt und konnte bis zum Aufbruch nicht mehr ordnungsgemäß in Stand gesetzt werden.
Groß war die Sorge, denn ohne Kutsche kein Weg nach Grafenau. Doch Varg und Erik, beide geschickte Männer des Handwerks, ließen den Mut nicht sinken. Mit Hammer, Schmiedefeuer, Blechen und zahllosen Schrauben schufen sie in kurzer Zeit ein Werk, das zwar weder schön noch dauerhaft war, die Kutsche jedoch für Hin- und Rückweg tauglich machte. Nach der Heimkehr sollte sie ihre wohlverdiente, gründliche Erneuerung erhalten.
Da Leif noch anderen Pflichten nachgehen musste und seine kleine Kutsche benötigte, nahm Angel die große Sippenkutsche in ihre Obhut. Langsam führte sie das Gefährt über Wege und Steine, denn jedes Rad, jede Planke und jedes Blech schien sein eigenes Lied zu singen. Schon von weitem hörten Liv und Runa das laute Klappern und wussten: Die Wölfe nahen.
Die Sonne brannte mit solcher Kraft vom Himmel, dass zunächst eine lange Rast eingelegt wurde. Niemand wollte unter ihrem Feuer unnötig schuften. Erst danach begann die große Beratung darüber, welches Zelt an welchem Platz stehen solle. Noch während darüber gesprochen wurde, traf Vidar ein. Gemeinsam machten sie sich ans Werk. Langsam wuchs das Lager, unterbrochen von vielen kleinen Pausen, denn die Hitze verlangte ihren Tribut.
Als schließlich Leif eintraf, standen bereits die ersten Zelte. Die große Plane und die Küche hatten ihren Platz gefunden, lagen jedoch noch als Haufen aus Stangen, Seilen und Stoffen auf der Erde.
Erst als die Sonne hinter den Bergen versank und ihre Glut verlor, ging der Aufbau zügig voran. Da meldete sich auch der Hunger. Runa wurde ausgesandt, Nahrung zu beschaffen. Als sie zurückkehrte, war das Lager vollendet. In ihren Armen trug sie eine fremdländische Speise, welche die Menschen „Pizza“ nennen und mit allerlei köstlichem Belag versehen. Die Sippe ließ sie sich wohl schmecken. Doch kaum war das Mahl beendet, musste Runa wieder die Heimreise antreten.
Nicht weit entfernt errichtete eine weitere Gemeinschaft ihr Lager. Kaum standen dort die letzten Zelte, fanden sich ihre Leute an der Tafel der Wölfe ein. Met und Geschichten wurden geteilt, Gelächter erfüllte die warme Nacht, doch währte die Feier nicht allzu lange. Die Hitze des Tages und die Mühen des Aufbaus forderten ihren Zoll.
Mit dem ersten Licht des Freitags traf der Rest der Sippe ein. Nur noch drei Zelte fehlten, ehe das Lager seine volle Größe erreicht hatte.
Doch die Sonne sprach bei sich: „Heute will ich meine größte Kraft zeigen.“ Und wahrlich, sie hielt Wort. Selbst der im See versenkte Met wollte nicht recht kühl werden.
Da erschien wie gerufen der rasende Wikinger. Seine Kutsche war bis an den Rand mit wohlig kaltem Met beladen. Rasch sprach sich dies über den Markt. Kaum hatte er angehalten, schrumpfte sein Vorrat schneller, als die Sommersonne das Wasser des Sees verdunsten ließ.
Als der Abend nahte, drehte sich über dem Feuer ein ganzes Schwein, welches Liv mit ruhiger Hand bereitete. Da betrat ein eiliger Bote das Lager.
„Der Seher sendet mich“, rief er. „Sichert eure Zelte und Planen! In wenigen Augenblicken wird ein schweres Unwetter über diesen Platz hereinbrechen!“
Sogleich begann geschäftiges Treiben. Während Liv das Schwein über dem Feuer bewachte und Anna die gesamte Küche ausräumte, um Geschirr und Vorräte in Sicherheit zu bringen, eilten alle anderen hinaus. Seile wurden nachgespannt, Pflöcke tiefer in die Erde geschlagen und jede Plane sorgfältig befestigt.
Kaum war das Werk vollendet, schickte der Sturm seinen ersten kalten Atem voraus. Der Wind heulte über den Platz, ehe Donner und Blitz den Himmel zerrissen. Regen fiel in solchen Mengen, dass er wie ganze Wasserfälle vom Firmament stürzte.
Doch die Wölfe wichen nicht auseinander.
Eng zusammengerückt saßen sie unter ihrer Plane, lauschten dem Tosen des Gewitters, tranken Met und teilten das köstlich gegrillte Schwein. So zeigte sich einmal mehr, dass weder Sturm noch Regen eine Sippe bezwingen können, solange Feuer, Speise, Met und treue Gefährten an ihrer Seite sind.
So wurde das 650. Säumerfest nicht allein wegen seines Jubiläums in Erinnerung behalten, sondern auch als jenes Jahr, in dem selbst Donner und Sturm den Zusammenhalt der Wölfe nicht zu brechen vermochten.
Kaum hatte der Samstag sein erstes Licht über die Berge gesandt, da erhob sich die Sonne bereits mit solcher Macht, als hätte sie am Vorabend weder Donner noch Regen gesehen. Kein Wölkchen erinnerte mehr an das Unwetter, welches in der Nacht über das Lager gezogen war. Der Himmel war klar, die Luft warm, und schon in den frühen Stunden des Tages begann die Sonne, ihre Kraft über den Platz zu legen.
Die Wölfe erwachten nur langsam. Manche krochen noch etwas verschlafen aus ihren Zelten, andere suchten zuerst den Met, ehe sie überhaupt daran dachten, den Tag zu begrüßen.
Doch lange durfte niemand verweilen, denn ehe der Mittag erreicht war und ein Teil der Sippe sich aufmachte, die Stände des Marktes zu erkunden, mussten die Vorbereitungen für das große Abendmahl getroffen werden.
Angel nahm sich der wichtigsten Aufgabe an.
Sie stellte sich an den Herd und begann, ihr weithin bekanntes Whiskyfleisch zu bereiten. Was zunächst nur als Mahl für die eigene Sippe gedacht war, entwickelte sich schon bald zu einer kleinen Vorstellung.
Der Duft von Fleisch, Gewürzen und Whisky zog über den Platz und lockte die ersten Neugierigen an. Einer blieb stehen, dann zwei, schließlich bildete sich eine kleine Schar um Angel. Manche wollten wissen, was dort im Topf geschah, andere wollten nur sehen, ob eine Speise, die nach Whisky roch, tatsächlich so köstlich sein konnte, wie es der Duft versprach.
Angel ließ sich davon nicht beirren. Mit der Ruhe einer erfahrenen Köchin rührte sie im Topf und erklärte hier und da, was es mit dieser geheimnisvollen Speise auf sich hatte.
Ein junger Mann, der bereits am frühen Tage aufmerksam zugesehen hatte, verschwand irgendwann wieder im Marktgetümmel. Doch offenbar ließ ihn der Gedanke an das Whiskyfleisch nicht mehr los. Gegen Abend kehrte er zurück, um endlich selbst davon zu kosten.
Und so kam es, dass das Abendmahl der Wölfe beinahe den Rang einer Marktattraktion erhielt.
Doch nicht nur Fleisch wurde bereitet.
In der Backstube der Wölfe herrschte ebenfalls reges Treiben. Kuchen und Brot wurden gebacken, und bald zog ein herrlicher Duft über den gesamten Festplatz. Selbst jene, die eigentlich nur vorübergehen wollten, verlangsamten ihre Schritte.
Besonders die Kinder wurden davon angezogen. Mit ihren Müttern standen sie vor dem Lager und sahen neugierig dem Treiben zu. Der Duft frisch gebackenen Brotes vermochte eben mehr Menschen herbeizurufen als jeder laute Marktschreier.
Währenddessen neigte sich der Tag langsam seinem Ende entgegen.
Die Sonne, die den Wölfen den ganzen Tag ihre Kraft gezeigt hatte, begann hinter den Bergen hinabzusteigen. Schatten krochen über den Platz, die ersten Feuer wurden entzündet und Fackeln erhellten die Wege.
Doch gerade als der Tag sich zur Ruhe legen wollte, erwachte an anderer Stelle des Wolfslagers neues Leben.
Am Axtwurfstand nahm das Treiben nun richtig Fahrt auf.
Erik hatte offenbar beschlossen, dass dieser Abend nicht ohne Ruhm und Beute vergehen sollte. Er begann zu wetten.
Bier um Bier.
Met um Met.
Wurf um Wurf.
Und die Götter schienen ihm hold zu sein, denn Erik gewann.
Immer wieder flog die Axt durch die Luft, drehte sich und schlug mit dumpfem Klang in das Ziel. Kaum war eine Wette gewonnen, wurde die nächste ausgerufen.
Die Damen des Marktes fanden zunehmend Gefallen an diesem Schauspiel. Was zunächst nur einige Zuschauer angelockt hatte, wurde bald zu einer ansehnlichen Menge. Erik stand dort wie ein Held aus einer alten Sage, ließ sich feiern und nahm die gewonnenen Getränke mit jener Würde entgegen, die nur ein wahrer Wikinger aufzubringen vermag.
Sein Publikum wuchs und wuchs.
Hätte ein fahrender Gaukler zugesehen, so wäre er wohl vor Neid erblasst.
Denn während andere um Kupfer und kleine Münzen buhlten, sammelte Erik Bier und Met, als hätte Odin selbst beschlossen, ihm den Abend zu vergolden.
Doch auch die längste Nacht beginnt irgendwann, dem Morgen Platz zu machen.
Als die Dunkelheit zu tief wurde und die Kinder müde an den Händen ihrer Mütter hingen, mussten die Damen schweren Herzens ihren Platz verlassen. Die kleinen Kriegerinnen und Krieger wurden zurück ins Lager geführt, und nach und nach leerte sich auch der Axtwurfstand.
Erik blieb nichts anderes übrig, als seinen Stand zu schließen.
Ob er dabei wirklich genug gewonnen hatte, konnte später niemand mehr genau sagen. Sicher war nur: Der Vorrat an Bier und Met war auf rätselhafte Weise kleiner geworden.
Schließlich aber versammelte sich die Sippe zum Abendmahl.
Was den ganzen Tag vorbereitet worden war, kam nun auf die Tafel. Das Whiskyfleisch wurde gereicht, dazu frisches Brot und Kuchen. Nach den Strapazen des Tages schmeckte alles noch besser.
Es wurde gegessen, gelacht und erzählt.
Und die Wölfe bewiesen einmal mehr, dass sie zwar beim Axtwurf gerne wetteiferten, beim Essen jedoch als geschlossene Sippe zusammenstanden.
So verschwand Stück für Stück das Abendmahl von der Tafel.
Bis kein Fleisch mehr im Topf war.
Bis kein Brot mehr auf den Brettern lag.
Bis auch vom Kuchen nichts als ein paar Krümel übrig geblieben waren.
Doch auch diese fanden noch einen Abnehmer.
Doch damit sollte der Abend noch lange nicht sein Ende gefunden haben.
Als die letzten Schüsseln geleert, die letzten Krümel vom Brot gesammelt und die Feuer auf dem Lagerplatz kleiner geworden waren, kündigte sich noch ein Schauspiel an, das selbst die müdesten Krieger wieder aufhorchen ließ.
In der Dunkelheit wurden die Feuerpfeile vorbereitet.
Einer nach dem anderen wurde entzündet, bis an den Bögen kleine Flammen tanzten. Für einen Augenblick schien es, als hätten die Sterne des Himmels ihren Platz verlassen und wären in die Hände der Krieger gewandert.
Dann ertönte das Zeichen.
Die Bögen wurden gespannt.
Ein Pfeilhagel aus Feuer schoss durch die Nacht.
Flammende Pfeile zogen ihre leuchtenden Bahnen durch die Dunkelheit und verschwanden mit einem dumpfen Einschlag in den Zielen. Für einen Herzschlag war der gesamte Festplatz vom Schein der Flammen erhellt. Die Menschen hielten inne und blickten gebannt auf das Schauspiel.
Wieder wurden die Bögen gespannt.
Wieder flogen die brennenden Pfeile durch die Nacht.
Ein Raunen ging durch die Menge, und selbst jene, die den ganzen Tag über Markt, Met und Axtwurf gesehen hatten, blieben stehen, um dieses letzte Schauspiel des Tages zu betrachten.
Die Wölfe aber sahen zufrieden zu. Nach einem Tag voller Sonne, Arbeit, Essen, Axtwürfen und Gelächter war dies ein würdiger Abschluss.
Als schließlich auch der letzte Feuerpfeil erlosch und nur noch ein schwacher Rauchfaden in den Nachthimmel stieg, kehrte langsam Ruhe auf dem Festplatz ein.
Die Flammen an den Bögen waren erloschen, doch in den Augen der Zuschauer brannte noch immer das Bild der leuchtenden Pfeile.
Und so endete der Samstag – nicht mit einem einfachen Schlafengehen, sondern mit einem Pfeilhagel aus Feuer, der noch lange in den Geschichten der Wölfe weiterleben sollte.
Der Sonntag kam schneller, als es manchem Wolf lieb gewesen wäre.
Kaum war das erste Frühstück verzehrt und der Met noch nicht einmal zur Hälfte aus den Bechern verschwunden, ertönte bereits der Ruf über den Platz:
„Helmut ruft zum Pfeilhagel!“
So mancher hob verwundert den Kopf. Andere griffen noch mit der einen Hand nach ihrem Brot und mit der anderen bereits nach Bogen und Köcher. Schließlich wollte niemand den Ruf zum letzten großen Schauspiel des Festes verpassen.
Diesmal jedoch sollten keine Flammen durch die Luft ziehen.
Die Bögen wurden mit gewöhnlichen Pfeilen bestückt, dazu kamen die gefürchteten Heulpfeile. Kaum wurden die ersten Sehnen gespannt, begann ein sonderbares Heulen und Pfeifen durch die Luft zu ziehen. Die Pfeile sausten über den Platz und ließen einen Klang zurück, der manchem Zuschauer durch Mark und Bein ging.
Die Wölfe hatten ihren Spaß daran.
Und so mancher, der am Vorabend noch geglaubt hatte, Feuerpfeile seien der Höhepunkt gewesen, musste erkennen, dass auch ein gewöhnlicher Pfeil ordentlich Lärm machen konnte, wenn man ihn nur mit genügend Wucht durch die Luft schickte.
Doch lange blieb keine Zeit zum Staunen, denn schon wartete das nächste große Ereignis.
Der Umzug.
Nach und nach sammelten sich die Gruppen, Gewänder wurden gerichtet, Banner gehisst und Waffen zurechtgelegt. Dann setzte sich der Zug in Bewegung.
Durch die Straßen zog das bunte Heer aus Händlern, Handwerkern, Kriegern, Frauen und Kindern. Trommeln erklangen, Stimmen wurden laut, und überall am Wegesrand standen Menschen, die dem Treiben zusahen.
Auch die Wölfe marschierten mit erhobenem Haupt und ließen sich das letzte große Schauspiel des Festes nicht entgehen.
Nach dem Umzug galt es, noch einmal die Kunst des Bogenschießens unter Beweis zu stellen.
Wie schon im vergangenen Jahr wurde ein großer Wettbewerb im Bogenschießen ausgetragen. Die besten Schützen des Festes traten gegeneinander an, jeder mit dem Wunsch, am Ende den Sieg davonzutragen.
Auch die Wölfe stellten sich der Herausforderung.
Die Sehnen wurden gespannt, die Pfeile angelegt und die Ziele ins Visier genommen.
Doch diesmal waren die Götter nicht auf ihrer Seite.
Kein Wolf vermochte sich bis ins Finale vorzukämpfen.
Ein wenig enttäuscht waren sie schon, denn natürlich wäre es eine schöne Sache gewesen, den Namen der Sippe unter den letzten Schützen zu sehen. Doch niemand ließ den Kopf lange hängen.
Denn ein wahrer Krieger kennt auch die Niederlage.
Und so wurde noch am selben Tage beschlossen:
Im nächsten Jahr wird mehr geübt!
Man munkelte sogar, dass die Zielscheiben der Sippe künftig deutlich öfter von Pfeilen getroffen werden sollten als bisher. Ob die Ziele diesem Vorhaben wohl zustimmen würden, ist in den alten Aufzeichnungen leider nicht überliefert.
Dann aber neigte sich das Fest endgültig seinem Ende entgegen.
Die letzten Vorräte wurden hervorgeholt.
Was noch an Brot, Fleisch, Kuchen und anderen Köstlichkeiten vorhanden war, wurde auf die Tafel gebracht. Denn eines war den Wölfen heilig: Kein gutes Essen sollte den Heimweg antreten müssen.
So wurde gegessen, getrunken und noch einmal von den vergangenen Tagen erzählt. Von der Hitze, vom Unwetter, vom Whiskyfleisch, vom Axtwurf, vom Met, vom Feuerpfeilhagel und von all den Begegnungen, die dieses besondere Säumerfest gebracht hatte.
Doch irgendwann kam der Ruf, den jedes Lager fürchtet:
„Abbauen!“
Mit einem Male war es vorbei mit der Gemütlichkeit.
Die Wölfe erhoben sich und machten sich ans Werk. Zelte wurden abgebaut, Planen gelöst, Tische und Bänke verstaut, Küchenutensilien zusammengepackt und die letzten Habseligkeiten eingesammelt.
Doch was am ersten Tag noch ein mühsames Unterfangen gewesen war, ging nun mit geübten Griffen vonstatten.
Jeder wusste, was zu tun war.
Einer löste die Seile, der nächste nahm die Stangen, andere falteten die Planen. Kiste um Kiste verschwand in den Kutschen. Was am Morgen noch wie ein stattliches Lager ausgesehen hatte, wurde innerhalb kurzer Zeit wieder zu einem Haufen aus Gepäck, Zelten und Ausrüstung.
Bald stand nur noch wenig auf dem Platz.
Die Feuer waren erloschen.
Die Zelte verschwunden.
Die Tafel abgeräumt.
Die Kutschen jedoch waren voll bis an den Rand.
Die Wölfe blickten noch einmal über den Platz, auf dem sie einige Tage lang gelebt, gefeiert, gegessen, gelacht und gemeinsam die Stürme überstanden hatten.
Dann wurden die Kutschpferde bereitgemacht.
Einer nach dem anderen bestieg seinen Wagen.
Und schließlich setzte sich der Zug der Wölfe in Bewegung.
Hinter ihnen blieb das Säumerfest zurück.
Vor ihnen lag der Heimweg.
Doch in ihren Köpfen und Herzen nahmen sie mehr mit als nur volle Kutschen: Geschichten, neue Bekanntschaften, gemeinsames Lachen und die Erinnerung an ein Fest, das mit seinen sechshundertfünfzig Jahren wohl schon viele Dinge gesehen hatte – aber gewiss noch keinen Haufen Wölfe, der sich so tapfer durch Hitze, Sturm, Met, Axtwurf und Feuerpfeile geschlagen hatte.
So endete die Reise der Wölfe zum 650. Säumerfest.


































