
19.06.-21.06.26
Grafing
Es geschah an einem Tag, an dem selbst die Raben lieber zu Fuß gingen, weil ihnen das Fliegen zu warm war. Die Sonne brannte vom Himmel, als wolle sie ganz Midgard in eine Schmiede verwandeln. Selbst die härtesten Wikinger schwitzten unter ihren Helmen, und die Metfässer suchten vergeblich nach Schatten. Käpt'n Jack und seine Mannschaft erreichten einen kleinen Jahrmarkt. Doch nur wenige Gäste hatten den Weg dorthin gefunden. Die Hitze hatte selbst die mutigsten Dorfbewohner besiegt.Die Händler saßen träge vor ihren Ständen und hofften auf Kundschaft, die wohl klüger gewesen war und am Fjord geblieben war. „Wo sind all die Menschen?“, fragte ein junger Krieger.Jack blickte zur Sonne und brummte:
„Wahrscheinlich dort, wo kluge Leute bei diesem Wetter sind – im Schatten.“Ein Mann verkaufte Schatten in Säcken, ein anderer versprach, Trolle stubenrein zu machen. Keiner wurde reich, aber alle wurden laut. „Ein guter Tag für Beute“, murmelte einer der Männer. Jack schüttelte den Kopf. „Welche Beute? Die Sonne hat sie längst geplündert.“ Da entdeckten sie einen Eisstand. Die Mannschaft blieb wie angewurzelt stehen. „Gefrorenes? Mitten im Sommer?“, fragte einer ungläubig. „Das muss Zauberei sein“, meinte ein anderer. Käpt'n Jack biss in eine Kugel Honig-Eis, verzog kurz das Gesicht und nickte zufrieden. „Ein seltsames Land“, sprach er. „Hier bekämpft man die Hitze nicht mit Mut, sondern mit Vanille.“ So saßen die Piraten und Wikinger im Schatten, schleckten ihr Eis, beobachteten die wenigen Besucher und beschlossen, dass nicht jeder Sieg mit einer Axt errungen werden musste, obwohl..Dort stand er, der Axtwurf. Mit ernster Miene trat der Erste an, holte weit aus und traf die Zielscheibe mitten ins Herz. „Glück“, murmelte Jack. Der Zweite traf ebenfalls. „Noch mehr Glück.“ Dann war Jack selbst an der Reihe. Seine Axt flog kerzengerade, blieb im Holz stecken und spaltete den Mittelpunkt. Die Mannschaft jubelte. Jack zuckte nur mit den Schultern.
„Wer bei dieser Sonne noch geradeaus sehen kann, hat sich den Sieg verdient.“ So hallte den ganzen Tag das Klacken der Äxte über den fast leeren Jahrmarkt. Wenige Gäste schauten zu, doch jeder Treffer wurde gefeiert, als wäre eine Festung gefallen.
Und die Skalden sangen später:Nicht die größte Menge macht ein Fest unvergesslich. Manchmal genügen ein paar tapfere Wikinger, eine gute Axt und eine Sonne, die selbst Thor ins Schwitzen bringt.
Mitten auf dem Platz stand ein gewaltiger Zuber. Aus ihm stieg Dampf auf wie aus einem Vulkan, der schlechte Laune hatte. Käpt'n Jack kratzte sich am Bart und sprach:
„Entweder ist das ein Bad … oder die Suppe für einen Riesen.“ Die Wirtin grinste. „Steigt hinein und findet es heraus.“ Ein echter Pirat stellt keine zweite Frage. Also kletterte Jack in den Zuber. „Heiß!“, brüllte er. Seine Männer nickten ernst. „Gut“, sagte der Erste. „Sehr gut“, meinte der Zweite. „Dann lebt er noch“, stellte der Dritte fest. Einer nach dem anderen stiegen sie ebenfalls hinein, denn unter Piraten gilt: Ist eine Idee dumm, aber der Anführer sitzt schon darin, wird sie zur Tradition. Bald saßen alle im dampfenden Wasser, tranken Met und erzählten Heldengeschichten, die mit jedem Becher wahrer wurden. Der Dampf stieg auf, die Bärte wurden lockig, und ein Händler fragte ehrfürchtig, ob dies ein heiliges Ritual sei. Käpt'n Jack hob sein Trinkhorn. „Nein. Uns ist nur heiß.“
So endete der Tag ohne Schlacht, ohne Beute und ohne Ruhm. Doch die Skalden waren sich einig: Wer freiwillig in einem kochenden Zuber sitzt und dabei noch lacht, der hat den nordischen Humor verstanden.






































