6.6.25 - 9.6.25 Weißenhorn
„Vom 5. Juni bis zum 10. Juni des Jahres 2025 nach Weißenhorn!“ riefen Kevin und Melly von Skadi Events die Sippen zu Pfingsten. Das Jarl-Paar, stets zu Ehren geladen, nahm die Einladung gern an. Doch dieses Mal begleitete eine stattliche Schar von fünfzehn Wölfen das Herrscherpaar, allerdings die Vorratskammer der Jarle konnte solch einen Vorrat nicht fassen. So blieb Angel keine andere Wahl als das Land zu durchreisen und bei den Kuhhirten um Rinderbraten zu bitten: „Reiche mir Fleisch oder wir erhöhen die Steuern!“ Nach fünf Höfen hatte sie genug zusammengetragen und konnte sich wieder auf den Weg zu Leif machen, der bereits mit Varg an seiner Seite die Kutschen belud. Bis unters Dach war alles gepackt, auch die zweite Kutsche, voll mit Vorräten, stand fast bereit. Doch kurz vor der Abfahrt, am Donnerstag, erreichte Angel eine Brieftaube. Ihr Auftrag lautete:
„Werte Jarlin,
haltet ein und wartet mit der Abfahrt. Leider ist unser Gepäck nicht in voller Menge in unsere Kutsche zu bringen gewesen. Es wäre von höchstem Wohlwollen, wenn ihr noch Platz fände, uns einen Teil unseres Gepäcks mitzunehmen.
Hochachtungsvoll, Jörv Eisenfaust.“
Kaum war die Brieftaube geflattert, da galoppierten schon die Rösser von Jörv Eisenfaust auf den Hof, mehrere Teile wurden schnell umgeladen. Eine Stunde verspätet lenkte Angel ihre Kutsche schließlich vom Hof, in leichtem Trab führte der Weg mit einem Zwischenstopp, um einen Anhänger abzuholen, gen Weißenhorn. Dort angekommen, empfingen sie bereits Heidi, Frank und der treue Gatte Leif, die sie sogleich darüber in Kenntnis setzten, dass der ursprünglich geplante Platz für das Lager verändert worden war. Nach einigem Überlegen und Umplanen begann der Aufbau der Zelte und Stände. Pünktlich, wie bestellt, trafen auch Jörv und Völva ein um eifrig an allen Ecken und Enden mit anzupacken. Besonders wertvoll war ihre Hilfe, da Mara an diesem Tage allein das Zelt für sich und die Kinder errichten musste, weshalb jede Hand benötigt wurde.“
„Axtwurf neben Axtwurf, ob das gut geht?“, fragte Leif mit einem schiefen Blick. „Das werden wir sehen“, kam die Antwort, schnell und selbstsicher. Die Sonne war gnadenlos an diesem Tage. Unter ihrem grellen Licht und der drückenden Hitze kämpften die Wölfe sich durch den Aufbau. Doch bevor noch einer der Sippe einem Hitzschlag erlag, kamen Jack und Cori, die mit Weisheit eine wohlverdiente Pause anordneten. Der Tag neigte sich dem Ende zu und Leif sowie Angel machten sich auf gen Gasthaus zu reiten, wo fremdländische Musik und fremde Düfte ihre Sinne reizten. Für die Wölfe holten sie dort ein Mahl: Fleisch im Brot, garniert mit frischem Salat und Kartoffelspalten.
Nach diesem ungewöhnlichen, aber wohlschmeckenden Mahl, holte Frank den berüchtigten Wolfstrunk aus seinem Zelt. Eine mächtige Gallone von fünf Litern, der in den langen Stunden des Abends so manches Glas füllte. Als die letzte Runde getrunken war, hatte die Hälfte des Trunks bereits den Weg in die Kehlen der Sippe gefunden. Die Wölfe hielten sich noch zurück, da für die nächsten Abende genug übrig bleiben sollte. Gegen den ersten Sonnenstrahl des Morgens fanden die letzten der Sippe ihr Schlafgemach.“
„Am Freitag war es Angel, die als Erste den Tag begrüßte. Ihr Plan war klar: Ein schnelles Bad, bevor das Frühstück vorbereitet wurde. Sie begab sich zur Kabine, öffnete den Hahn – und war sofort wach. Ein Schwall eisigen Wassers empfing sie. Auf ihre Nachfrage bei Melly bekam sie die Antwort: „Die Sklaven, welche für das heiße Wasser zuständig sind, haben nur ein Fass vorbereitet. Ein weiteres ist noch in arbeit, aber es wird noch eine Weile dauern.“
„Das ist ein Grund, einen Kopf rollen zu lassen!“ hallte es durch die Lagergruppen, die ebenfalls unter dem kühlen Nass litten.
Nach dem Frühstück klagten einige der Wölfe über heftige Kopfschmerzen, was die Sonne und der Wolfstrunk des Vortages gefordert hatten. Doch der Medikus wusste Rat, verabreichte einige Kräuter und binnen weniger Minuten waren alle wieder bei Kräften. Gerade rechtzeitig, da eine Horde von Kindern den Platz eroberte. Sie wollten alles wissen und anfassen – nach vorheriger Erlaubnis natürlich. Eine kleine Show von Jack und Cori gab den Kleinen, was sie sich erhofft hatten, bevor sie sich wieder auf den Weg machten.
Melly kam nun, um die Taler für das Holz und den Unrat einzusammeln und verteilte Bänder an die Teilnehmer.
Auch an diesem Tage zeigte sich die Sonne von ihrer besten Seite und der Markt konnte unter guten Sternen seinen Anfang nehmen. Mit dem benachbarten Axtwurfstand wurden besprochen, wer wann welche Disziplin übernimmt. Die Wölfe sollten mit ihren Wurfäxten den ganzen Tag über, von Marktbeginn bis zum Sonnenuntergang, ihr Können unter Beweis stellen, während der Stand des Nachbarn sich dem Doppelaxtwurf und dem Bogenschießen widmete. Beim ersten Einwerfen gelang es Jölv, eine Axt zu zerbrechen – ein wahrhaft würdiger Beweis seines Namens „Eisenfaust“.
Auf dem Markt lockten die Stände mit Met- und Whiskyverkostung und die Sippe ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Abwechselnd machten sie sich auf um zu verkosten, jedoch nicht ohne vorher ausgiebig zu essen. Am Grill gab es reichlich Fleisch und für das gute Gewissen des Medikus wurde auch etwas Grün mit aufgetischt.
Die Zeit verflog, bis in die frühen Morgenstunden saßen sie gemeinsam am Feuer, erzählten Geschichten und lachten laut in die Nacht.“
Der Samstagmorgen brachte das gleiche Schauspiel wie der Tag zuvor: Eiskaltes Wasser unter der Dusche. „Die Sklaven sind auch nicht mehr das, was sie einst waren“, grummelte Angel, „Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal unsere eigenen mitbringen. Kalte Duschen sind nicht eines Jarls würdig!“
Während des Frühstücks traten Jack und Cori an sie heran, mit einem edlen Tropfen, den sie zu ihrer Vermählung erhalten hatten, und überreichten ihn Leif zum Probieren. „Pfui Spinne! Wollt ihr mich etwa vergiften?“, rief Leif aus und spuckte den Rum in hohem Bogen wieder aus. „Gut“, sagte Jack, „ich dachte schon, es läge an mir, dass der nicht schmeckt.“
„Versuch ihn mal in deinem Heißgetränk“, schlug Jack vor. Gesagt, getan – ein Schuss des edlen Rums in Leifs Tasse, und sogleich konnte der „edle“ Tropfen genossen werden.“
Nach dem Frühstück traf Jarl Markus von der Rothgard-Sippe ein und besprach mit Leif und Angel den geplanten Verlauf des Tages. Zunächst war es vorgesehen, dass Abgesandte der Lagergruppen, mit Schwert und Schild, die Musiker im Takt begleiteten – ein prächtiges Bild für die versammelten Zuschauer.
Am Nachmittag jedoch, als die Sonne am höchsten stand, stürmten Jarle und Huskarle aller Lagergruppen an die Taverne. Ein Schildwall, stark und unerschütterlich, blockierte den Zugang, bis jeder, der das begehrte Kaltgetränk aus Hopfen erlangen wollte, auch sein Wohl bekomm.
Mit einem lauten „Skål!“ löste sich der Wall und die Besucher durften sich wieder frei bewegen und Getränke empfangen.“
„Lörv Eisenfaust zeigte stetig seine wachsende Geschicklichkeit im Umgang mit der Axt und erfreute sich immer größerer Beliebtheit bei den Besuchern. Auch Völva, die anfangs mit den neugierigen Blicken der Menschen zu kämpfen hatte, fand mehr und mehr Gefallen am Umgang mit den Gästen.
Unterdessen widmete sich Angel der Zubereitung des Mahls. Sie hatte bei einem vergangenen Raubzug eine beachtliche Menge an Erdäpfeln erbeutet und hatte die Kunst der Zubereitung von den früheren Besitzern in den feinsten Details erlernt. Mara und Heidi halfen dabei, die Kartoffeln nach dem Kochen zu schälen, während Angel sich an die Zubereitung des Kartoffelsalats machte. Erik begann mit den Vorbereitungen für die Schnitzel.
Als der Sonnenuntergang den Himmel in ein goldenes Licht tauchte, versammelte sich die Sippe am Tisch und das Mahl wurde serviert. Erik hatte sich in der Kunst des Kochens übertroffen – nicht ein Krümel war übrig, und der Hunger war gestillt. Der Rest des Abends verflog während sie bis zum Morgengrauen am Feuer saßen, das warme Licht in den Gesichtern, Geschichten erzählten und die Stille der Nacht genossen.“
Der Sonntag brachte eine unerwartete Überraschung – kaltes Wasser unter der Dusche. Doch der Veranstalter, nicht ohne einen Plan, hatte bereits eine Entschuldigung parat: Für alle sollte es Rührei geben. Eine eigenwillige, aber durchaus schmackhafte Zusammenstellung.
Nachdem der Markt seine Tore geöffnet hatte, stellte Angel die Zutaten für das geplante Abendmahl bereit und gab Anweisungen, wie alles zu schneiden war. Wer nicht gerade mit dem Axtwurf beschäftigt war, schnitt Fleisch, Wurst, Tomaten, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch. Leif kümmerte sich ums Feuer und als dieses schließlich heiß genug war begann Mara mit dem Braten.
Thor, anscheinend nicht ganz zufrieden mit der Wahl des Mahls, schickte Wind und Regen. Doch das hielt die entschlossene Mara nicht auf. Selbst als der Baldachin beinahe davonflog und die Wölfe sich in das Zelt schoben, ließ sie sich nicht beirren. „Von dir lass ich mir das Essen nicht vermiesen!“, rief sie mit einer Kelle in der Hand gen Himmel.
Gemeinsam mit Angel briet sie den Rest der Zutaten an und hing den Kessel über das Feuer. Kurze Zeit später verschwand Angel in ihr Zelt und kehrte mit einer besonderen Zutat zurück: Leif hatte bei einem Raubzug auf einer Insel einen besonderen Tropfen mitgebracht, ein Getränk namens „Whisky“. Sie schüttete es in den Topf, es gab dem Fleisch ein rauchiges Aroma, würzte mit weiteren Kräutern, danach durfte der Kessel Stunden über dem Feuer köcheln.
Währenddessen kam Cori vorbei und fragte, ob sie die Black Pearl bei ihnen vor Anker legen dürfe, um nicht im Sturm aufzulaufen. Natürlich durfte sie, denn Cori und Jack gehörten mittlerweile fast zum Inventar der Wölfe.
Wegen des Regens konnte jedoch kein Brot gebacken werden, weshalb Angel den Bäcker des Marktes aufsuchen musste. Der verlangte für das Brot ihr ganzes Hab und Gut, das sie bei sich trug. Sie gab es ihm gerne – so sollte wenigstens niemand in der Sippe hungrig bleiben.
Das Mahl wurde verteilt und der Kessel leerte sich, bis fast nichts mehr übrig war.
Am Montag jedoch hatte die Sonne wieder die Oberhand. Schon beim Frühstück begann sie sich in voller Pracht zu zeigen. Die ersten Besucher stürmten auf den Festplatz und zum Axtwurfstand. Angel, neugierig wie immer, schlich sich davon um bei der Rothgard-Sippe die Doppelaxt auszuprobieren. Doch das schwere Gerät brachte ihren Wurf nicht sehr weit. Leider hatten sie auch das Öl für die Armbrust vergessen, sodass diese Waffenprüfung auf das nächste Mal vertagt werden musste.
Kaum war Angel zurück kam Jack um seine Black Pearl abzuholen. Sie hatte die Nacht sicher im Hafen der Wölfe verbracht. Mit der Black Pearl im Schlepptau verließ er das Lager, jedoch nicht ohne zuvor eine kleine Ablöse zu zahlen.
Erik kümmerte sich um das restliche Fleisch, das noch gegrillt werden musste, während Angel noch schnell ein Brot buk. Jörv war derweil nicht untätig und unterhielt das Publikum mit seinen Geschichten und Späßen.
Nach Marktschluss begannen die ersten Wölfe, das Lager abzubauen, während die anderen ihre Pflichten erfüllten, die sie zu Hause am Dienstag erwarteten.
So blieben nur noch Erik, Mara, Leif und Angel zurück, die den Abend am Feuer ausklingen ließen, das Lager Revue passieren und überlegten, was beim nächsten Fest besser organisiert werden sollte.
Am Dienstag selbst war es dann nur noch Frühstück und Abbau. Die Verabschiedung von den befreundeten Sippen zog sich länger hin als erwartet, so begann die Rückfahrt erst am Nachmittag.
„Es war ein schönes Fest“, dachten alle, „und der Termin für das nächste Jahr steht bereits fest im Kalender. Ein solches Ereignis sollte man nicht versäumen!“




































































































