5.9.-7.9.2025 Stein an der Traun

Im Jahre des Herrn zweitausendfünfundzwanzig, zur goldenen Zeit des Herbstmondes, da zog die ehrwürdige Sippe der Wölfe gen Süden, zur festlich gerüsteten Burg Stein an der Traun, daselbst ein Lager aufzuschlagen und sich mit befreundeten Sippen und holden Gästen zu versammeln.

Einst war diese Feste Ziel einer kühnen Eroberung durch die Wölfe gewesen – doch diesmal trugen sie keine Klinge, sondern Zelt, Kessel und Freude im Gepäck. Leif Tyrson, ihr Anführer, entsandte eine Brieftaube an einen alten Gefährten, den wackeren Christian Domeier. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten – er war freudig ob der Nachricht und hieß die Sippe willkommen.

So ward in der Runde besprochen, wer mitziehen möge, welche Speis aufgetragen werde, und wie die Zelte zu schlagen seien. Eine Besonderheit sollte die Tafel zieren: Liv, Meisterin der Kochkunst, ward durch eine Sklavin in den Besitz eines seltenen Rezeptes gelangt – ein Linsengericht, wie es nur in fernen Landen, jenseits des Meeres, in Anatolien, bereitet wird. Ragnar, Assassine und verschlagener Kundschafter, ward ausgeschickt, um jene roten Linsen und kostbare Gewürze zu beschaffen. Viele Tage war er auf Reisen, ehe er heimkehrte – die Beute sicher im Gepäck.

Am Tage des Donars, als die Sonne noch tief stand, machte sich die Sippe auf. Drei Sippen fanden sich auf dem Feld ein: Freyas Volk, alte Bekannte, eine neue Schar, Fenris genannt, eigens gebucht, um den Markt mit Darbietungen zu bereichern, und eben die Wölfe. Letztere fanden sich bald als der Mittelpunkt des Treibens wieder. Als die Sonne zur Neige ging, erschien Alex, ein Mann mit viel Werk und wenig Zeit, in Not. „Welch starke Damen und Herren könnten beim Aufbau von von Baldachinen, Tafeln und Bänken helfen? Ihr sollt es auch nicht umsonst tun, ein Fass edles Bier ist es mir wert.“ Für ein Fass kühlen Bieres sprangen die Wölfe sogleich herbei – Schweiß ward vergossen, doch das Werk war bald getan. Der Abend nahte. Zwar war das Himmelszelt vom Regen zerrissen, doch Fleisch ward dennoch gegrillt, und der Durst mit Met und Gerstensaft gestillt. Der Abend war feucht, doch fröhlich, und endete bald – denn der Regen wurde zum Herrscher über die Nacht.

Noch ehe der Morgen graute, war Leif geschäftig. Einige Brieftauben wurden entsendet, ihre Ziele ungewiss, denn der Regen peitschte das Land. Doch die Wölfe harrten aus und richteten ihr Lager unter schützender Plane ein. Alex brachte das versprochene Fass – eine Geste, die mit Dank und Trunk erwidert ward.

Liv bereitete das Mahl vor – die legendäre rote Linsensuppe, wie sie nur im fernen Morgenland gekocht wird. Während die Speise brodelte, zog eine Delegation zum Umzug aus. Im Lager erschienen Tobi, ein Mann der guten Tropfen, und Domi, der mit Pastis das Feuer der Nacht entfachte.

Als der Kessel geöffnet ward, geschah ein Wunder: Stille senkte sich über das Lager, die Wölfe aßen, als gäb’s kein Morgen, und das Schmatzen der Zufriedenen war das einzige Geräusch weit und breit. Lob über Livs Kunst wurde reichlich gespendet, und Hoffnung laut, bald noch mehr solch fremdländischer Speisen zu kosten.

Nach dem Mahl trat Magnus, der Feuergaukler, hervor. Der Regen mied den Mutigen – Angel wachte am Feuer, sah die Flammen tanzen, während andere im Schutz des Zeltes lauschten. Und obgleich der Regen nicht enden wollte, war der Abend von Freude und Lachen erfüllt.

Als der Hahn kaum krähte, war das Lager bereits lebendig. Der Markt ward eröffnet, und das Volk strömte herbei. Varg, Gelehrter der Waffenkunst unter den Wölfen, und Vidar, der Jäger, erklärten den staunenden Gästen die Waffen. Während Leif das Lagerleben übernahm.

Tobi erschien erneut, mit Feuerholz und himmlischem Trank, auch Vargs Verwandte fanden den Weg. Am Nachmittag begann das Kochen eines neuen Mahls: Malzbiergulasch, deftig und würzig. Der Duft zog Besucher wie Mücken zum Feuer. Die Sippe ward unaufhörlich befragt, bestaunt, bewundert – das Lager glich einer offenen Taverne.

Die Kuchen waren so begehrt, dass Liv und Angel erneut zum Ofen greifen mussten. Wieder zog ein Umzug durchs Gelände, und wieder hielt Angel als Hüterin von Herd und Flamme die Stellung.

Ragnar war zurückgekehrt – ein Auftrag für Leif hatte ihn kurz fortgeführt. Das Mahl gelang meisterlich – der Kessel wurde geleert bis auf den letzten Tropfen. Dann folgte Musik, Gelächter und Trank aus tiefen Flaschen.

Als die Nacht herabsank, begann die zweite Feuershow: Schwerter aus Flamme, lodernde Seile und kreisende Feuerbälle durchdrangen die Dunkelheit. Ein Feuerschauer beendete das Schauspiel. Angel, diesmal mittendrin, sah den Tanz des Lichts mit eigenen Augen.

Noch bis weit nach Mitternacht wurden Geschichten erzählt, Gelächter hallte durch das Lager – bis die Müdigkeit wie ein Schleier auf die Sippe fiel.

Noch während der Tau das Gras bedeckte, trat Alex in das Lager der Wölfe, um den Abbau zu besprechen. Auf die Frage, was geschehe, wenn nicht alle mit anpackten, ward sein Antlitz finster: „Dann möget ihr fahren, wenn der Mond das Feld verlassen hat – nicht zuvor!“ So beriet sich die Sippe: Wer trägt? Wer räumt? Wer lenkt die Karren? Während einige begannen, Zelte und Habe zu ordnen, kochten andere die letzten Vorräte, backten und erklärten noch immer den interessierten Besuchern das Leben der Wölfe. Als die Dämmerung einsetzte, leerte sich das Gelände. Besucher verließen den Markt, und bald begannen die fleißigen Hände mit dem Werk. In Windeseile fielen Baldachine, Bänke und Tafeln, die Karren wurden herangezogen – doch nicht bevor die Sonne unterging und der Mond sich verfinsterte.

Eine Mondfinsternis über dem Lager – welch denkwürdiger Abschied. In Nacht und Schatten wurde gepackt, geräumt und verladen. Nach anderthalb Stunden war das Werk vollbracht – die Sippe stieg auf ihre Wagen und verließ die Stätte ihres Tuns.

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