4.7.25 - 6.7.25 Isen
Der Kulturschock zu Isen rief zum großen Feste, und die Jarle der Wölfe zögerten nicht lange, ihm zu folgen. Allein, sie baten um einen neuen Lagerplatz. „So sei es“, sprach der Veranstalter, „Ein Rasenplatz soll euer Lohn sein, habt ihr doch im Vorjahr eure Tauglichkeit erwiesen!“
Da rückte der Tag der Abreise heran, doch Angel hatte noch keinen Fang für die Sippe. So ritt sie mit Ragnar ans Meer, den eigenen Speer zur Hand. Mit knapper Not kehrten sie zurück, der Fisch ward auf Eis gebettet, und die Kutschen beladen.
Noch vor dem Morgengrauen spannte Angel die Rosse an. Ein Umweg war nötig, denn ein schwerer Anhänger harrte der Abholung. Die Pferde zogen ihn nur mit Mühe durch staubige Pfade.
Am Markt angelangt, wartete bereits Runa, hoch zu Ross. Gemeinsam suchten sie Flo, um den Lagerplatz zu erfahren. Kaum gezeigt, war Flo auch schon entschwunden. So fuhren die Weiber samt Kutschen einmal um das ganze Gelände.
Kurz darauf trafen Leif, Mara, Jörv und Völva ein. Das Gelände ward beäugt. „Uneben“, murrte Leif. „Mit Hügeln zur besseren Übersicht“, entgegnete Angel schalkhaft.
Die Planung ward beschlossen: Das Zelt der Jarle und des Medicus erhob sich auf dem Hügel, der Rest lagerte im Tale um die Tafel. Anna zog sich mit ihrem Zelt ins schattige Dickicht zurück – weise Entscheidung, da die Sonne mit großer Kraft brannte.
Der Aufbau zog sich hin – der Boden sehr uneben, der Abend nahte. Der Magen grummelte. „Das ist Hunger“, stellte der Medicus fest. So machten sich Mara, Angel und die Kinder auf gen Dorf, um Speis und Trank zu erjagen.
Vor einer Schenke standen viele Leut’ – ein gutes Zeichen. „Schaut eine Schenke bei der die Menschen vor der Türe stehen“, meinte Mara. „Wir sollten schauen, was sie dort anbieten!“ Dort gab es rundes, flaches Brot mit dem roten Saft der Tomate, Kräutern, Salami, Schinken oder Fisch – und Käse in Fülle. „Das müssen wir probieren“, entgegnete Angel und schon waren von jeder Sorte welche bestellt. Die Sippe war erst zögerlich, doch binnen Minuten war alles verzehrt.
Nach dem Mahle zog sich der Medicus zur Ruhe zurück. Die Jarle wanderten durch die Lager, als plötzlich Sheldon, der Hund, laut zu bellen begann. Angel horchte auf. „Ist das unser Hund?“ Schon eilte sie mit Leif zurück – ein Fremder war im Lager, betrunken und schwankend.
Mara, allein mit den Kindern, hatte jedoch alles im Griff. Sheldon ward gelobt für seine Wachsamkeit. Der Fremde wurde mit freundlichen Worten des Lagers verwiesen. „Kehre nüchtern wieder, wenn dir daran gelegen ist“, sprach Leif. Und so ward es wieder still im Lager der Wölfe.
Am Freitag im Julmond ward Runa früh auf den Beinen und bereitete Wasser für die Heißgetränke. Angel hingegen zog gen Duschstelle – in der Hoffnung auf warmes Wasser. „Mal sehen ob es hier warmes Wasser gibt“, dachte sie in Erinnerung an das letzte Lager in Weißenhorn. Doch der Kessel war leck, kein Kesselflicker in Sicht. Die Abkühlung tat dennoch wohl.
Das Ziel für den Axtwurf ward beim Notausgang aufgestellt – kein Ein- noch Ausgang ohne Zustimmung der Wölfe. Am Nachmittag stieß Gast Vidar zum Lager. Auch er schlug sein Zelt ins Unterholz, dicht bei Anna.
Alle harrten noch der Ankunft von Chrissi, die sich den Wölfen vorstellen wollte. Am Nachmittag begaben sich Leif und Runa zur Waffenkontrolle, denn scharfe Eisen durften nicht aufs Fest. So standen die Beiden zwei Stunden in der prallen Sonne. Leif hatte sich seine Mütze aufgesetzt und Runa meinte, sie sei als Medicus vor Sonnenstich gefeit.
Währenddessen traf Chrissi ein, brachte süßen Kuchen – und bald schon hatte sie Vidar’s Herz erobert. Am Abend wurde gegrillt, danach saß man in trauter Runde.
Doch spät in der Nacht, als Leif und Angel schon schliefen, ward das Lager von lautem Gelächter gestört. Erik bemühte sich um Ruhe – vergebens. Da trat Angel entschlossen vor die Tafel. Die 22’er hatten sich dort breitgemacht. Mit fester Stimme wies sie sie zurecht – und siehe da, es ward Ruhe. Schnell verabschiedeten sich die 22`er und sie konnte zurück zu ihrem Gemahl.
Samstagmorgen, Runa saß bleich am Tisch. „Mir ist übel“, hauchte sie. „Zurück in dein Zelt!“, befahl Angel. „Und wage es nicht, zu früh zurückzukehren!“ „Aber dem Medicus…“ „Papperlapapp, du hörst was ich sage! Und wehe du kommst zu früh wieder her!“ Mit gesenktem Haupt begab sie sich zurück in ihr Zelt, vor einem Sonnenstich ist auch ein Medicus nicht gefeit! Ein Medicus sei auch nur ein Mensch.
Angel und Leif suchten erneut die Duschstelle auf – doch das Wasser blieb kalt. Nach dem Frühstück sprach das Jarlspaar zur Sippe: Es ging um Benehmen, Respekt und Hierarchie im Lager. Danach begab sich Angel ins Lager der 22’er für ein klärendes Gespräch mit deren Oberhaupt. Man einigte sich: Wollte man des Abends zusammenfinden, so solle dies im Lager der 22’er geschehen – dort sei mehr Platz.
Chrissi brachte frisches Grünzeug. Runa ging es besser, doch ward nach der Mahlzeit erneut ins Zelt verbannt. Die 22’er kamen, baten um Vergebung und luden zum abendlichen Beisammensein.
Auch an diesem Tage war Waffenkontrolle – diesmal Leif und Erik. Ob Erik wohl aus Runas Fehler gelernt? Er ging ohne Kopfbedeckung.
Die Kinder planschten im Kneipbecken, der Axtwurf ward gut besucht. Erik bereitete am Abend den geangelten Fisch mit Rosmarin-Erdäpfeln. Angel, der Fisch nicht mundete, briet sich Erdäpfel mit Speck und Ei. Zu fortgeschrittener Stunde zog sich das Jarlspaar zurück. Die Jugend wanderte zum Lager der 22’er, Erik und Mara verweilten, in trauter Zweisamkeit, am Feuer.
Sonntagfrüh und immer noch kein Kesselflicker in Sicht – erneut kalt duschen. Angel buk Brot für die Sippe, da kein Bäcker auf dem Markt zu finden war. Erik litt – die Sonne hatte ihm zugesetzt. Der Tag verging mit Besuchern, die sich teils durchs Dickicht ins Lager schlichen. Die Wölfe wachten.
Die Vorräte wurden aufgebraucht, Erik kochte das Übrige. „Auf zur letzten Waffenkontrolle, wer wird mich diesmal begleiten?“ fragte Leif. Runa, der es sichtlich besser ging, bat darum nur die halbe Zeit mitzugehen, nicht dass es ihr wieder schlecht gehe. Erik, noch angeschlagen, übernahm die zweite. „Wird schon gehen“, murmelte er.
Nach erfolgreicher Schicht begann der Abbau. In Ordnung und mit guter Planung wurden Kutschen beladen, Zelte verschnürt und Wagen eingespannt. Der Abschied von Freunden und Händlern zog sich. So kam es, dass die Wölfe erst spät in der Nacht, erschöpft aber zufrieden, heimkehrten.
So sei vermerkt in der Chronik der Wölfe,
von Treue, Tapferkeit und guter Speis’ –
und einem Hund, auf den man zählen kann.


















































