31.07.-3.8.2025 Grafenau
Es begab sich, dass ein Reiter aus Nordost zur Halle des Jarls nahte. In seiner Tasche trug er ein Pergament, gezeichnet von der edlen Gräfin Ravina aus dem Dunklen Nordwalde und vom gestrengen Freiherrn Helmut zu Newndorf und Galgenau. Sie luden den Jarl Angel und Leif von Bayern samt ihrer Gefolgschaft zum Säumerfeste in Grafenau.
Sogleich ward Antwort gegeben:
„Liebste Gräfin, lieber Freiherr, wir nehmen mit Freuden eure Einladung an. Am letzten Tage des Julius werden wir mit fünfzehn Kriegern und Schildmaiden erscheinen. Sorget, dass der Platz am See der unsrige sei. In Hochachtung, Jarl Angel und Leif von Bayern.“
Kaum zugesagt begannen die Vorbereitungen. Erik, der Leibkoch und Huskarl, wollte Fasan für die Obrigkeit und Mara, sein holdes Weib, bestand auf Whiskeyfleisch. Leif schickte den besten Jäger, Vidar, los Fasan zu schießen. „Aber Herr, Fasan hat Schonzeit.“ Da donnerte die Jarlin:„Papperlapapp, wenn der Koch Fasan will soll er ihn bekommen!“
Liv, das Kräuterweib, zog hinaus in Wald und Feld, sammelte Kräuter und Wurzeln. Runa, die weise Medicus, holte Pilze aus ihrem Vorrat. Angel sah auf ihre Liste „Oh, Rind, Portwein und Whisky fehlen, da muss ich in die Geheimkammer und schauen ob sich noch etwas der köstlichen Getränke in den Fässern befindet. Allerdings ist das Rind beim letzten großen Fest verbraucht worden, wo bekomme ich nur neues her?“ Die Assassine wurde gerufen: „Du hast drei Tage um mir ein Rind zu besorgen, aber nimm andere Bauern als beim letzten Mal!“
Ragnar schlich sich von dannen, nahm den schnellsten Hengst und kam drei Tage später mit Rind und Schwein zurück. „Ich verlangte Rind, nicht Schwein“ entgegnete ihm Angel zornig „Werte Jarlin, der Bauer hatte so viel Angst vor mir, er gab das Schwein als Geschenk dazu.“ „Unter diesen Umständen sei dir verziehen, geh zum Schatzmeister und hole Deine Belohnung.“
Kaum hatte er den Saal verlassen betraten Völva und Jörv diesen. „Ein Sack Mehl, damit wir Brot backen können und einen herzlichen Gruß vom Bauern, er schickt Milch und Butter“
Erik und Angel kontrollierten grade ihre Listen als Vidar mit mehreren Fasanen am Sattel auf den Hof ritt. „Pünktlich zum Packen, du hättest nicht später erscheinen dürfen, sonst wäre dir Ragnar gefolgt.“ Vernahm er Angels harte Worte „Aber werte Jarlin, es ist Schonzeit und die Fasane haben sich...“ „Schweig! Bringe sie in die Küche und laufe zu deinem Weibe, sie erwartet Dich in eurem Gemach!“ Mit eingezogenem Kopf rannte er los und die beiden konnten sich weiter den Vorbereitungen widmen. Kaum alles abgeharkt kam Leif mit der ersten Kutsche und das Packen konnte beginnen. „Diesmal bitte nicht wieder die Hälfte des Axtwurfzieles vergessen!“ „Nein werter Jarl, alles ist zusammen“ hauchte Ragnar und verschwand um die nächsten Teile zu holen. Der Thronsaal leerte sich und die erste Kutsche füllte sich. „Nun nur noch die Felle und der Teppich und fertig“ meinte Leif „vergiss nicht, dass wir noch eine zweite Kutsche haben, du musst nicht stopfen.“ Gesagt, getan, mit der zweiten ging es weiter. Fertig gepackt konnte Nachtruhe ausgerufen werden.
Am Tag der Abreise, nach einem ausgiebigen Frühstück, wurden die Pferde angespannt und los ging die wilde Fahrt. Der Wettergott konnte sich nicht entscheiden, mal sehr sonnig und warm und dann heftiger Regen und kühl. Erik und Runa waren schon vor Ort, so stand die Tafel und das erste Zelt, natürlich an dem gewünschten Platz. Zunächst wurde besprochen wer wo sein Zelt aufstellen durfte, die Jarle bestanden auf Sicht Richtung Fontaine und Erik auf den Wasserfall, Runa den See, die Kriegerin Anna verweilte unter dem Bären, Vidar und Liv nahmen das äußere Ende des Platzes, so konnte er im Falle des Falles die Jarle beschützen. Jörv und Völva nahmen Platz in der Mitte, so war die große Wiese ausgefüllt mit Leben. Anja und Familie, die Zigeuner (Musikanten?) aus Frankreich, gesellten sich in Eriks Schatten. Helmut kam vorbei „Ist alles zu eurer Zufriedenheit?“ „Danke für den tollen Platz und vergesst nicht am Samstag zum Essen zu erscheinen“ sprach Leif und schon ward Helmut wieder davon. Die Sonne war schon untergegangen, als ein mächtiges Knurren zu hören war. „Ich glaube dem Jarl plagt ein Hüngerchen“ meinte Erik, da knurrte es schon aus der nächsten Ecke. „Oje, nicht dass die Bären kommen“ flüsterte Anna ängstlich „Keine Angst Kinder, langsam haben nur alle Hunger.“ Vermeldete Angel und schickte Erik los eine Mahlzeit zu besorgen. Mit zwei großen Blechen voll flachen Brot mit Tomatensoße, Salami, Schinken und Käse kam er zurück. Das Rudel stürzte sich auf das Mahl und ließ nicht einen Krümel über. Gesättigt konnte der Abend mit viel Gelächter beendet werden, leider ohne Runa, da sie am nächsten Tag noch Verwundete versorgen musste.
Freitag, nach dem Frühstück, begann das Aufräumen, umpacken und der Aufbau der Küche. Angel hatte von einem Bauern Rezepte für Brot und Kuchen bekommen, welche sie der Sippe zum Probieren vorsetzen wollte. Zunächst wurden Erdäpfel gekocht um daraus später ein Brot zu backen, währenddessen wurde der Kuchenteig angerührt, Nudeln gekocht und die Kohle vorbereitet. Runa hatte bei ihrer Abreise noch gesagt: „Waget es nicht ohne mich Kuchen zu essen, sonst ihr werdet meinen Zorn spüren!“ „Wir werden ihr etwas zur Seite legen, dann kann sie nicht zornig auf uns sein“ meinte Angel und kurz darauf begann der mächtige Regen. „Hätten wir mal besser auf Runa gehört“, äußerte sich Mara leise „Aber der Kuchen ist so toll, den kann uns auch kein Regen vermiesen!“ schallte es aus einer Ecke. Liv schlich sich aus dieser „Angel die Kohle ist fertig, lass uns das Brot ausprobieren.“ Gesagt, getan, Brot geknetet und ab in den Dutch-Oven. „Wie das duftet. Ihr lockt noch mehr Menschen her. Weitermachen“ rief Helmut beim vorbeireiten. „Wenn das nur halb so gut schmeckt wie das riecht haben wir ein zweites gern genommenes Brot“ sang Anja während sie auf dem Diatonischen Akkordeon spielte.
Jörv, wieder total vertieft als Axtwurfmeister bekam seinen Kuchen von Völva geliefert. Das Brot, noch nicht ganz aus dem Ofen, war schon halb von der Sippe verschlungen. Also beschlossen Liv und Angel ein weiteres muss her. Dieses wurde grade rechtzeitig fertig als Erik mit dem zubereiten des Abendessens begann. Liv, Anja, Mara und Angel schnitten Käse, Gurken, Tomaten und bereiteten den Nudelsalat vor. Die Kinder tanzten durch die Pfützen und um den Tisch, sie naschten und verschwanden auf dem Bärenspielplatz.
Pünktlich um 20 Uhr stand alles auf der Tafel und die Sippe konnte gemeinsam Abendessen. Nach dem Abwasch begann der gemütliche Teil, Kinder ins Bett und die wahren Krieger am Lagerfeuer prahlten von ihren Erlebnissen und Raubzügen. In den frühen Morgenstunden fanden dann die letzten den Weg ins Schlafgemach.
Kaum erreichten die ersten Sonnenstrahlen das Lager ritt Runa vor, im Gepäck warme Brötchen. Schon kurz nach dem Frühstück mussten offizielle Pflichten erfüllt werden. Der Festumzug, bestehend aus diversen Lagergruppen und angeführt von Muhanad von Gottes Gnaden, König zu Grafenau und Herr der Silberklinge, Beschützer der Handelspfade und Wächter der Morgenröte, sammelte sich an der Sommerrodelbahn um von dort durch Grafenau zum Stadtplatz zu gelangen. Kaum dort angelangt musste die Sippe zügig zurück ins Lager, der nächste Kuchen und die Brote wollten gebacken und das Whiskyfleisch zubereitet werden.
Während die einen Gemüse, die Anderen Fleisch schnitten, einer sich ums Feuer und die Kohle kümmerte, lief Erik los und meldete einige tapfere Bogenschützen zum Turnier an. Das Feuer loderte, Mara und Liv begannen mit der Zubereitung, während Angel die geheimen Zutaten in den großen Topf warf. Auch die Kohlen waren fast durch, so dass der Kuchen vorbereitet und in den Dutch-Oven gefüllt werden konnte. Erik begann mit der Vorbereitung der Fasane. Als er Angels Deckel nehmen, wollte flog eine Pfanne tief. „Nimm diese, ich brauche den Deckel für das Brot!“ „Wir haben eine Pfanne?“, fragte er verwundert und begann darin die Soße herzustellen. Währenddessen wurde das nächste Brot gebacken.
Liv nahm sich einen Topf und füllte diesen mit Erdäpfeln, Öl und Rosmarin und stellte diesen neben das Feuer, schließlich musste Erik entscheiden wann sie aufs Feuer durften.
Die Soße kochte, genug Portwein hatte den Weg hineingefunden, nun gab Angel die Flasche frei. Weit kam diese allerdings nicht, Runa, der kleine zierliche Medicus, probierte zaghaft und schwups ward die Flasche verschwunden. „Runa, rück den Port wieder raus, andere möchten ihn auch probieren.“, mahnte Leif mit ernster Stimme. „Welchen Port? Ich habe keinen gesehen.“ „Na die Flasche unter deinem Umhang.“ „Welchen Umhang?“ „Ähm…“ Fiel Angel in den Disput, „ich glaube er meint diese…leere? Flasche.“ Und hielt sie hoch. „Aber ich hätte auch gerne probiert“ klang eine zarte Stimme aus dem Hintergrund. „Ich auch“ eine weitere. Erik erbarmte sich und ritt in Windeseile los um sich aus dem Weinkeller einer befreundeten Sippe zu bedienen.
Währenddessen kümmerte sich Liv um das Essen, sollte es weder roh oder verbrannt sein. Leider hatten die Erdäpfel beschlossen: „Wir bleiben roh, auch wenn ihr und zwei Stunden kocht!“
Es dauerte nicht lange, da hörte man ein Pferd laut schnaufend sich nähern. Erik hatte so viel Tempo gemacht, dass das Pferd klitschnass war und Jörv es abreiben musste. Aber... Runa und der Rest mussten nicht weiter dursten.
Das Essen wurde serviert, besser es wurde eine lange Schlange gebildet und jeder durfte sich aus dem Topf mit dem Whiskyfleisch bedienen.
Die Fasane, angerichtet auf Eriks Teller, machten die Runde. Jeder durfte probieren, nur die eine Portion für Helmut brachte Erik direkt zur Taverne.
Ein rundum gelungenes Mahl, die Fasane aufgegessen, der Topf fast leer und das Brot bis auf wenige Krümel weg.
Gesättigt konnte der gemütliche Teil des Abends beginnen. Mit einem großen Lagerfeuer trotzte das Rudel dem Regen, bevor sie nach und nach ihre Gemächer aufsuchten.
Die „Eiskalten“ riefen nach dem Frühstück zu einer Lagerolympiade, natürlich musste eine Abordnung der Wölfe daran teilnehmen. Sie ließen sich von dem Regen nicht beirren und bestritten den Wettkampf, bestehend aus:
- Speer/Messer in den Ring
- Strohsack hauen
- Holzstammweitwurf
- Wagenrennen
- Speerwerfen
- Hindernislauf mit Axt uns Speer
- Wissenstest über das Mittelalter
Nach all der Mühe, der schweren Kämpfe erzielten die Beiden den ersten und den letzten Platz, waren die anderen Krieger nicht erschienen.
Sonntagmorgen, geweckt von den ersten Sonnenstrahlen und dem Duft von frischen Brötchen, versammelte sich die Sippe an der Tafel. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde der Tagesablauf besprochen. Axtwurf mit Philippe, Jörv und Völva, mit Musik von Anja und Charlotte, Erik, Mara und Liv Zubereitung des Mahls, Rest helfen wor Hilfe benötigt.
Das Bogenturnier begann und pünktlich auch der Regen. Zwischen den tapferen Schützen befand sich auch Muhanad, der Löwe aus Fernland, leider hatte er am Tage zuvor zu tief ins Methorn geblickt, daher erreichte nicht einer seiner Pfeile das Ziel. Unter widrigen Bedingungen erkämpfte sich Vidar still und heimlich durch alle Runden. Am Ende hieß es Bernd von den Eiskalten oder Vidar von den Wölfen. Eine Millimeter Entscheidung, ein My, ein Hauch brachte die Entscheidung. Vidar musste sich geschlagen geben. Mit einem silbernen Bären für das Bogenschießen und einem goldenen Pokal für die Olympiade kamen die Kämpfer mit geschwollener Brust zurück ins Lager und ließen sich feiern.
„Den Termin für nächstes Jahr bitte in den Kalender eintragen. Vidar muss noch etwas üben um Platz 2 zu verteidigen, bzw zu verbessern. Erik und Jörv müssen Platz 1 verteidigen!“ sprach Leif unter lautem gegröle.
Pünktlich eine Stunde vor dem Abbau ein heftiger Regenschauer. „Oh Nein, nicht schon wieder“, rief Leif, während er die Plane festhielt.“ Wer mag uns nicht, dass wir mit nassen Zelten nach Hause fahren müssen?“ „Warte ab, lieber Gemahl, es ist nur ein kleiner Schauer, bis zum Abbau wird alles wieder trocken sein!“
Runas kleiner Bruder betrat das Lager und prompt hörte der Regen auf. Ob Odin ihn geschickt hatte damit wir relativ trocken abbauen konnten“
Alle Kutschen wurden geholt und mit vereinten Kräften beladen.
Als die Sonne unterging wurde sich von Ravina und Helmut verabschiedet und das Rudel fuhr ihrer Heimat entgegen.



















































































