28.8.-1.9.2025 DaU

Im Jahre unseres Herrn zweitausend und fünfundzwanzig, zur Zeit des fallenden Laubes und der kühlen Abende, da riefen die ehrwürdigen Streif Ulvers erneut zum großen Reigen, genannt „Dager av Ulver“, welches da bedeutet: die Tage der Wölfe. Und siehe, die edle Sippe der Grimnirs Wölfe, sagten mit Freuden ihre Huldigung und Teilnahme zu.

Da trat Leif, genannt der Weise, Jarl der Wölfe, zu seiner Gemahlin, der holden Angel, und sprach:

„O lieblich Weib, könntest du mit deinen geschickten Händen ein neues Banner weben, auf dass unser Zeichen weithin über das Feld der Ehren wehe?“

Und Angel lächelte mit feinem Munde und entgegnete:

„Mit Freuden will ich dies tun, werter Gemahl, doch sei gewarnt: Solch Kunst hat ihren Preis.“

Leif aber zwinkerte und wusste, dass dies kein Preis aus Silber, sondern aus Süßem, Wein und zärtlichem Dienste sein würde.

Das hölzerne Gerüst des Banners aber wurde dem Schmied Varg anvertraut, dessen Hände so stark wie Hammer und Amboss waren, und dessen Kunst ihn selbst in fremden Landen rühmte.

Da ward beraten in der Sippe, was dem Volke bei Tische kredenzt werden möge. Erik, der mit starkem Arm das Schwert führt, rief da aus:

„Lasst uns einen Braten vom Reh zur Feuerstelle bringen!“

Leif, nicht faul, ließ Vidar, seinen Jäger, herbeirufen und sprach:

„Vidar, Sohn des Waldes, begib dich auf die Pirsch und bringe uns ein gar stattliches Wild.“

Doch Vidar, pflichtgetreu, sprach:

„Mein Jarl, wisset wohl: Die Jagd auf Rehe ist untersagt – es ist die Zeit der Schonung.“

Leif aber entgegnete:

„Für Rehe wohl, doch nicht für das Schmalreh. So reite, und kehre nicht mit leeren Händen zurück!“

Vidar bestieg sein Ross, trieb es an zur Eile, dass nur noch Staub und Hufschlag hinter ihm zu sehen und zu hören war. Seine Gemahlin aber, von Kummer befallen, da er sich nicht verabschiedet hatte, trocknete eine Träne mit dem Zipfel ihres Schleiers und wandte sich sodann ihrem Kräutergarten zu, auf dass das Mahl dereinst gut gewürzt sei.

Auch Ragnar, der mit leisen Sohlen wandelt und Schatten zu Freund hat, ward ausgesandt, fremdländische Früchte und Gaben zu erhandeln. Denn Angel, die Jarlin, gedachte, Gastgeschenke zu reichen, wie es alter Brauch gebietet.

Runa, die Heilerin, sammelte derweil Kräuter und Tinkturen, denn erfahr'ne Seelen wussten: Zu den Tagen der Wölfe kommt entweder der Regen oder die Pestilenz – meist beide.

Der kluge Varg schlug vor, ein Würfelspiel zu veranstalten – genannt Farkle – mit Preis und Ehr. Die Sippe jubelte, und der Plan ward angenommen.

Da sich gar viele Wölfe zur Reise einfanden, sprach Angel:

„Ein neue Plane muss her, denn das alte Tuch vermag unser Lager nimmer zu decken.“

So ward es, dass Varg, Leif und Erik ein neues Gestell zimmerten, aus Balken von festem Holz und mit Seil gebunden wie in alter Väter Tagen.

Nicht lange, und Ragnar wie auch Vidar kehrten heim: der eine mit Früchten aus dem Süden, der andere mit Schmalwild auf dem Sattel. Kaum war Vidar abgestiegen, da fuhr ihm Liv, seine zürnende Gattin, an den Bart, zerrte ihn ins Zelt und vollführte dort allerlei Züchtigung, wie es nur Eheweiber in hitzigem Gemüt vermögen. Doch nach der Strafe folgte auch die Sühnung, so will es das Gesetz der Zweisamkeit.

Die Kutschen gepackt konnte am folgenden Morgen die Reise beginnen. Der Tross der Wölfe erreichte den ihnen zugewiesenen Lagerplatz, gelegen gleich neben jenem wilden Volk, das gemeinhin als die Barbaren bekannt war. Und man hoffte gar inständig, dass diese seit dem vergangenen Jahre das rechte Tischgebaren erlernt hätten – so der Wunsch, nicht der Glaube.

Kaum angekommen, griffen Varg, Leif und Erik, Männer von Kraft und Handwerkskunst, zu Hammer, Pflock und Strick. In wenigen Stundengläsern wuchs aus Leinen und Holz das ehrwürdige Wolfslager empor, ein Ort der Zuflucht, des Feuers und der Kameradschaft. Kaum waren die letzten Seile festgezurrt, da kündigte lautstarkes Magenknurren den Hunger des Rudels an.

Erik, der Kühne, bestieg sein Ross und ritt aus zur Erkundung. Nicht fern traf er auf ein Gasthaus fremdländischer Sitte, geführt von einem Mann namens Zeus, wohl ein Abtrünniger vom Götterhimmel. Dort ward ihm gewürztes Fleisch, feiner Reis und in Öl gebadete Erdknollen dargereicht. Als er beladen mit dampfenden Töpfen zurückkehrte, jubelte das Rudel, als wär’ er vom Drachenritt heimgekehrt.

Ein Festmahl ward gehalten, mit Speis und Trank in Fülle. Um das Feuer ertönten Lieder, Neckreime und lautes Gelächter, bis die Nacht selbst sich müde wandte.

Nach dem Morgenmahle, bestehend aus Brot, Käse und Met, ward zur Großen Ratsversammlung geladen. Ein jeder, der ein Zelt zu stellen oder ein Feuer zu hüten hatte, erschien. Gar allerlei wurde verlesen – manches von Wichtigkeit, anderes von solcher Komik, dass selbst die Pferde schnauften.

Da ward verkündet: Das am Vortag durch Missverständnisse geopferte Kubb-Turnier solle nun doch stattfinden. Groß war die Freude bei Mara, die alsbald mit Angel die Hölzer schulterte.

Des Weiteren fand Vargs Turnier der Würfel – genannt Farkle – großen Anklang. Aus nahen wie fernen Lagern trugen sich Spielleute ein, auf dass der Sieg dem Glücklichsten gebühre.

Liv und Angel, die Weiber mit Händen aus Gold, backten unterdessen Brote und süße Kuchen, die den Duft von Heim und Herd in die Gassen trugen. Andere wandelten über den Marktplatz, feilschten um Töpfe, Hörner, Lederwerk und Honigwachs.

Allenthalben ward das neu gefertigte Banner der Wölfe bewundert – in Seide gestickt, mit dem Zeichen der Sippe geziert. Doch Mario, der Spitzbube, sann auf List und Diebstahl, wie er es einst in finstren Tavernen gelernt. Doch Jörv Eisenfaust, der Bannerwächter mit dem Blick eines Habichts und der Faust eines Ambosses, schlug die List mit Argusauge in die Flucht.

Zur Stunde des Umzugs rüstete sich das Rudel. Varg legte seine eisengeschmückte Rüstung an, Jörv suchte nach dem Leder, das er mit sich führte wie ein Heiligtum, und Leif wie auch Erik mühten sich redlich, das Banner aus dem durchtränkten Boden zu lösen. Der Regen hatte das Holz tief ins Erdreich gesogen – gleich einem Baum, der nicht fallen will.

Schließlich zog der Tross aus. Mit Paukenschlägen, Hörnern, Geschrei und wildem Geheul zog man durch die Gassen von Velden. Die Bürger, groß und klein, säumten die Straßen und riefen den Wölfen zu. Und siehe – unterwegs wurde Freibier verteilt! Der Tross jubelte, die Krüge klangen, der Boden ward feucht von Hopfen.

Auf dem Marktplatz hielt René, Mann von Rang, eine Rede. Die Worte berührten Herzen, und siehe – Tränen rannen aus seinen Augen. Man munkelte, es sei Schweiß, doch wer kann das mit Gewissheit sagen?

Zurück im Lager bereitete man das Mahl. Brot ward gebrochen, Salate gewürzt, Fleisch gewendet. Es erschienen Gäste: Steffi und Georg, auch Anja mit Familie, und Maria, eine Christin aus fernen Landen, die man in Ketten zum Markte geführt hatte – doch siehe: Niemand bot Gold für Christen.

Ein Nachbarlager jedoch, von Mitleid getrieben oder dumpfem Geschmack, bot drei warme Öttinger als Tauschware. Doch da man solch Trank niemandem zumuten wollte, verblieb Maria im Lager, wo sie bald schon Lieder sang.

Ein großes Feuer ward entfacht. Die Nacht verging in Flammen und Freude.

Am Morgen zogen Mara und Angel aus, ihre Gegner im Kubb zu finden. Zuerst fanden sie nur Kinder – doch siehe, deren Wurf war nicht zu unterschätzen. Der erste Sieg ward ihnen zuteil. Weitere Gegner jedoch blieben aus, so dass das Los den Wölfen hold blieb – bis zur Nachmittagsrunde, wo sie tapfer kämpften, doch unterlagen.

Im Lager wurden weiter die Würfel geschüttelt. Culacher, Franzosen und andere traten gegeneinander an. Des Abends standen die Halbfinalisten fest.

Erik, der Koch mit dem Bart aus Feuer, bereitete den Rehbraten: Gebräunt am Spieß, gebettet in Rotwein und Wurzelgemüse – eine Speise, die des Königs würdig gewesen wäre. Gäste fanden sich erneut ein, darunter auch Maria, die nun als Freie saß.

Da riefen Hörner – Fackelzug ward gerufen!

Fackeln brannten, Stimmen schrien, und siehe – René weinte abermals. (Der Chronist will diesmal nicht urteilen.)

Am letzten Tage wurden die Spiele zu Ende geführt. Die Mixta Cuertus errangen den Sieg im Kubb, während im Würfelspiel Culach den Preis davontrug.

Erik versuchte ein letztes Mal, Maria oder andere Sklaven feilzubieten – vergebens. Offenbar war die Zeit des Menschenhandels dahin.

Jörv Eisenfaust baute das Zelt ab, denn am Morgen danach musste seine Faust Eisen schlagen – im Dienste des Jarls.

Bei Dunkelheit begann Magnus seine Feuershow: Schwerter brannten, Seile glühten, und das Volk jauchzte. Gegenüber feierten die Tiroler bereits den Jahreswechsel – mit mundgemachtem Feuerwerk und lautem Korkenknallen.

Als der Morgen graute, senkte sich Wehmut über das Lager. Ein jeder packte, rollte, zurrte und schnürte. Karren wurden beladen, Feuer gelöscht, Abschiede gesprochen.

Mit schwerem Herzen zog das Rudel von dannen – in der Hoffnung, dereinst wiederzukehren zu den Tagen der Wölfe im kommenden Jahr.

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