5.9.-7.9.2025 Stein an der Traun
Schon etliche Tage vor dem Festtage ward Leif, der Jarl, und sein holdes Weib Angel von Unruhe erfüllt, ward doch der Markt diesmal in eigenem Dorfe gehalten, ein selten Glück. Bei der Begehung des Festplatzes glaubte man, wohl zu wissen, wo Zelt und Banner stehen sollten – doch wie so oft im Leben, kam es anders denn gedacht.
Ein Bauer, schwer beladen mit Schuld, brachte ein Schwein dar zum Mahle – ein anderer tat's ihm gleich mit Erbsen und mancherlei Gemüse aus eigener Scholle. Also stand das Mahl fest, noch ehe der erste Pflock gerammt ward.Da die Karren vom letzten Reigen kaum leergeräumt, ging das Packen wie von selbst. Doch Ragnar und Leni, zwei Getreue des Rudels, wollten ebenfalls mitziehen – so mussten noch zusätzliche Zelte, Lagerbetten und das Gerät zum Axtwurf verstaut werden.
Am Spätnachmittag brach der Tross auf, und bald war der Lagerplatz erreicht. Doch o weh! Die benachbarte Sippe, obgleich nur aus vier Recken bestehend, breitete sich gar großspurig aus, so dass die acht Wölfe gedrängt standen wie Hering in der Bütte. Leif, des Zorns kaum Herr, war nahe daran, den Bannerkrieg zu rufen. Doch Angel, mit sanfter Stimme, und Liv, mit silberner Zunge, vermochten ihn zu besänftigen. Mit listigem Plan ward umdisponiert – nun stand der Axtwurf zwar gegenüber, doch alles fand seinen Platz.
Zur Belohnung ward das Feuer entzündet, und Ragnar brutzelte das halbe Schwein mit großem Geschick, dass der Duft selbst den Himmel rief. Wohlgenährt ließ man den Abend in heiterer Runde ausklingen.
Vidar kam spät des Abends, doch halfen alle mit, so dass seine Kutsche bald entladen und sein Zelt aufgerichtet war. Zwar fand er nur noch kaltes Fleisch vor, doch sprach er: „Besser kalter Braten als leerer Magen!“
Am Freitag begaben sich Leif und Jörv zu ihren weltlichen Geschäften, indes die übrigen Wölfe das Lager verschönerten, den Axtwurf errichteten und das Banner aufspannten. Pünktlich zur Lagerbesprechung trafen die beiden wieder ein.
Manni, der Marktmeister, kündete ein großes süßes Frühstück für den Sonntag an, wünschte gute Geschäfte und segnete das Lager mit seinem Worte.
Doch bald schon trübte sich die Luft – ein zweiter Axtwurfstand ward errichtet, obgleich jener doch Bogenschießen anbieten sollte. Die Wölfe prüften das Gerät des Fremdlings: seine Äxte schwer, stumpf und ungelehrig – ein Spott gegen das ehrliche Wurfhandwerk! So beschlossen die Wölfe: „Solch Gerät gereicht uns nicht zur Konkurrenz.“ Der Markt konnte beginnen.
Jörv ließ die Äxte fliegen, dass selbst Thor gestaunt hätt’. Angel und Liv backten derweil Kuchen in großer Zahl und schlenderten über den Markt, wo sie sich mit alten Freunden trafen. Leif, nun frei von Pflicht, gesellte sich dazu.
Varg und Vidar gaben abwechselnd den „Erklärbär“, wie man sie nannte – ihre Worte, weise und wohlgesetzt, fesselten Jung wie Alt.
Als sie endlich ins Lager zurückkehrten, ward der Kuchen verspeist – gar fein im Geschmack – und auch dem Nachbarlager wurde ein Teil dargeboten, wofür man Linsen im Tausch erhielt.
Kaum war die letzte Krume genossen, begannen die Weiber mit dem Abendmahl. Ragnar hatte aus fernen Landen – gar südlich gelegen – ein Rezept für Teichwaren mitgebracht: langgezogenes Mehlspeiswerk, das in roter Soß’ mit Fleischbälllein schwamm. Der Name? Spaghetti.
Ragnar schlich, gleich einem Panther im Dunkel, durchs Gebüsch zurück zum Lager, roch den Duft und trat, lautlos wie ein Geist, vor den Topf. Mit leuchtenden Augen nahm er die Kelle und sprach: „Es ist gut.“ So ward gespeist, gelacht und gerühmt.
Doch Ragnar, der Unruhige, musste sogleich wieder aufbrechen. Er versprach, am nächsten Tage eine besondere Suppe zu bringen – aus fernen Reichen, so geheimnisvoll wie er selbst. Dann verschwand er abermals im Schatten des Gebüschs.
Am Feuer saß man bis in die Nacht, redete von alten Zeiten und blickte in die tanzenden Flammen wie in die Runen der Zukunft.
Die Morgendämmerung hatte sich sacht über das Lager gelegt wie ein grauer Schleier aus kühlem Leinen. Aus den Kesseln stieg noch Dampf, und die ersten Funken tanzten über dem frisch entfachten Feuer. Als Ragnar aus dem Schatten trat.
Er kam wie ein Geist der Wildnis – lautlos, mit schmalen Augen und leichtem Schritt. In seinen Händen trug er einen Topf, schlicht, verrußt, doch duftend wie ein ferner Morgen. Es roch nach Dill, nach Gurke, nach fremden Kräutern, nach Joghurt und Räucherwerk. Eine seltsame Frische lag in der Luft, als wäre der Sommer selbst in den Topf gefallen.
Er stellte den Topf auf das Holzbrett, schlug mit dem Löffel daran – klong! – und sprach:
„Okraschka, so nennen es die Rus. Ein kaltes Mahl für heiße Tage. Ich lernte es kennen auf meiner Reise gen Osten, durch das Land der Mongolen, über das stille Steppenmeer, bis an den Hof des großen Drachenkaisers.“
Ein Raunen ging durch die Wölfe. Einige verzogen das Gesicht – kalte Suppe? Und das am Abend?
Doch Ragnar hob die Kelle und begann, die Schüsseln zu füllen. Der Inhalt war hell – ein Gemisch aus gehackten Eiern, Gurken, Wurzelgemüse, Kwas und Kräutern, gekühlt mit Schnee, der in einem in Fässern vergrabenen Tuchballen mitgeführt worden war. Eine seltsame Melodie aus Aromen, und doch – etwas daran zog jeden in seinen Bann.
„Als ich durch das Land der Rus ritt“, begann Ragnar, „war es der Sommer der großen Fliegen. Die Sonne brannte auf den Nacken, das Wasser in den Bächen war warm wie Pferdeurin, und jeder Schritt war eine Qual. Ich hatte kein Salz mehr, kein Brot, nur ein wenig Wurzel und ein altes Stück Käse. Da fand ich sie – ein altes Weiblein mit wettergegerbtem Gesicht, das in einem Erdloch Suppe lagerte. Ich dachte, sie wolle mich vergiften, so fremd roch es – doch sie lächelte zahnlos und sprach: ‘Iss, Wanderer. Denn nichts stärkt den Geist wie kaltes Grün.’ Und so tat ich es. Und ward gestärkt.“
Die Wölfe hörten gebannt zu. Selbst Liv, die anfangs skeptisch gewesen war, schlürfte nun die kühle Brühe und seufzte leise. „Was ist alles drin, weiser Jäger?“ fragte sie. „Dill, Gurke, Sauerrahm, Ei, ein Spritzer Kwas – das ist ein Getränk aus vergorenem Brot –, und, für die Tapferen unter euch: ein Hauch von Knoblauch, der in der Morgensonne gezogen hat.“
Die Runde lachte. Vidar legte den Arm wieder um Liv, die ihm zulächelte, ihre Stirn an seine lehnte und flüsterte: „Vielleicht wär ich doch eine gute Assassinin geworden, bei solch Speisen.“ „Pah“, grummelte Vidar, „du würdest den Feind mit deinem roten Haar blenden – und dann würde er dich heiraten statt erschlagen.“
Erneutes Lachen.
Varg rieb sich das Kinn und meinte: „Wenn alle Suppen so schmecken würden, wie Ragnars Geschichten klingen, so könnte man Könige stürzen mit einem Löffel.“
Ragnar lächelte nur, zog seine Kapuze wieder über den Kopf und murmelte: „Vielleicht ist genau das schon geschehen.“
Vidar und Varg standen inmitten des Lagers, gleich zwei fahrenden Erzählern auf dem Dorfanger, und wurden von Neugierigen bestürmt, als hätte man sie zum Weisenrat berufen. Fragen über Waffen, über die Kunst des Axtwurfs, über das Lagerleben – alles wollten die Besucher wissen, und die beiden hielten stand, geduldig, mit einem Augenzwinkern und manch spitzfindiger Antwort.
Währenddessen wachten Jörv, der mit sicherer Hand die Äxte durch die Luft tanzen ließ, und Angel, stets mit einem Lächeln und scharfem Blick, über das hölzerne Feld des Wettstreits. Die Axt flog, das Volk jubelte – selbst die Kinder standen ehrfürchtig vor dem Zaun, als wäre es ein Wunder, das sich vor ihren Augen vollzog.
In den stilleren Stunden, da der Trubel ein wenig nachließ, taten sich Liv und Angel zusammen wie zwei Mägde der alten Zeit. Sie schürten das Feuer, mahlen das Mehl, rührten in den Töpfen, dass es eine Freude war. Es ward Erbsensuppe gekocht, kräftig und mit geräuchertem Fleisch gewürzt, auf dass der Magen wohl gefüllt und das Herz erwärmt würde. Auch Kuchen und frisches Brot fanden den Weg aus den Händen der beiden, und der süße Duft zog durch das Lager wie der Gesang einer Sirene.
Leif, der Herr des Lagers, war von der letzten Nacht noch etwas gezeichnet – sei es vom Trank, vom Tanz oder von der Diskussion mit den Nachbarn, so genau wusste es keiner. Er saß auf seinem Hocker wie ein wachender Greif, mit verschränkten Armen und scharfem Blick, doch ließ er keine Gelegenheit aus, Anweisungen zu geben oder einen Becher Wasser zu fordern. Leni hingegen war wie der Schatten einer Biene – flink, emsig und stets zur Stelle, wo eine Hand gebraucht ward. Ob beim Holz, beim Wasserholen oder beim Besänftigen streitlustiger Marktweiber – sie wusste sich zu helfen.
Da – mit einem Mal erscholl ein Knall, als wäre Donar selbst auf die Bühne gestiegen. Die Besucher erschraken, doch rasch wurde deutlich: Es war nur der Auftakt des musikalischen Nachmittags. Die „Kiss Kids“, ein Trupp von Spielleuten mit gemaltem Antlitz und lauter Zunge, begannen ihr Spektakel. Ihre Lieder waren wild, schrill, fremd – doch sie rissen das Volk mit sich. Bald darauf erklangen sanftere Töne – Irish Folk, gefolgt von anderen wandernden Musikanten, deren Weisen wie frischer Morgentau durch das Lager wehten. Man sah Tränen, man sah Tanz – und manch Herz wurde weich wie warmes Brot.
Viele Besucher fanden in diesen Stunden den Weg zum Lager der Wölfe, angelockt vom Duft des Brotes, dem Klang der Lieder und dem guten Ruf der Sippe. Unter ihnen auch Domi und Mario, zwei altbekannte Weggefährten, die mit herzlichem Handschlag begrüßt wurden. Mario, stets ein Mann des guten Wortes und des noch besseren Appetits, konnte nur kurz verweilen – seine Tochter zog ihn weiter, gleich einem kleinen, aber entschlossenen Heerführer.
Doch ehe er verschwand, wandte er sich noch ein letztes Mal um, sog den Duft des Kuchens tief ein und rief:
„Wahrlich, Angel – aus deiner Backstube entspringen Werke, die selbst den Göttern ein Lächeln entlocken würden!“
Dann zog er weiter, winkte noch einmal – und verschwand im bunten Treiben des Marktes.
Als die Abenddämmerung wie ein Schleier aus Purpur und Gold über das Land zog und die letzten Sonnenstrahlen sich hinter den Hügeln neigten, ward es still im Lager der Wölfe. Nur das Knistern des Feuers und das leise Klirren von Schüsseln und Kellen war zu vernehmen. Die Hitze des Tages wich einer kühlen Brise, und der würzige Duft von Kräutern und Brühe lag schwer in der Luft – verheißungsvoll wie eine alte Prophezeiung.
Leif blickte von seinem Platz zum Topf am Feuer, schob sich den Mantel zurecht und murmelte mit einem schelmischen Funkeln im Auge:
„Zeit, das Mahl zu reichen – bevor das Rudel sich selbst überfällt wie Wölfe im Winterhunger.“
Er beugte sich zu Liv, die bereits mit dem Löffel rührte wie eine Kräuterfrau aus alten Zeiten.
„Nicht, dass uns einer vor Hunger in die Suppe fällt“, fügte er mit einem Grinsen hinzu.
Liv, mit gerötetem Gesicht vom Feuerschein, lachte leise und erhob sich geschmeidig. Sie klatschte in die Hände, sodass der Klang wie ein Ruf durch das Lager hallte.
„Kommet herbei, ihr Wölfe, kommet und nehmet teil am Mahl! Die Suppe ist bereit, das Brot geschnitten – es soll niemand mit leerem Bauch zur Nacht gehen!“
Nach und nach traten sie aus ihren Zelten und Ecken hervor – Vidar, noch mit einem Holzspan im Haar vom Axtwurf; Varg, dessen Bart vom Ruß gezeichnet war; Leni, flink wie eh und je, mit einem Arm voll Schüsseln; selbst Jörv, der schweigsame Bannerträger, kam mit einem Nicken näher.
Liv schöpfte die dampfende Suppe mit Bedacht, goss sie in hölzerne Schüsseln, die sie mit Kräutern verziert hatte – ein Mahl, wie man es auf keinem Hofe besser hätte finden mögen. Die Brühe war klar, durchzogen mit frischem Wurzelwerk, Würze aus dem Süden, und dem, was Ragnar des Nachts aus dem Dickicht herangeschleppt hatte.
Bald saßen alle beisammen, dicht an dicht um das Feuer, die Schüsseln in den Händen, das Brot geteilt, das Gespräch lebendig. Geschichten wurden erzählt, Becher gereicht, Gelächter stieg auf – und über all dem lag jene stille Zufriedenheit, die nur die Gemeinschaft am Feuer zu schenken vermag.
So begann der Abend, nicht laut, nicht prunkvoll – aber warm, voller Wohlgeruch und voller Herz. Ein Fest für Magen und Seele – wie es nur in einem Wolfsrudel sein kann. Angel reichte Leif ein Stück frisches Brot mit goldener Kruste, und Jörv schlug mit der Faust auf den Tisch: „Schnaps auf die Suppe! Wer hat noch was in der Flasche?“
Gläser wurden gehoben, ein Kanister tauchte unter dem Tisch hervor, Met wurde eingeschenkt, und ein Trinkspruch erhob sich:
„Auf die Reisen, auf die Heimkehr, auf das Mahl der Fremde – und auf Ragnar, den Suppenwanderer!“
Und sie tranken. Die Nacht senkte sich über das Lager, doch niemand ging schlafen. Stattdessen wurden Geschichten erzählt – von Piraten, von verlorenen Münzen, von einem tanzenden Bären auf einem Marktplatz in Bardowick – vielleicht wahr, vielleicht nicht.
Ein Spielmann vom Markt trat hinzu, setzte sich ans Feuer, nahm eine Laute aus altem Holz und begann ein Lied:
„Durch Steppe und Schnee,
Wo die kalte Okraschka weht,
Zog Ragnar mit Suppe, mit Schwert und mit Sinn,
Und kehrte als Held zu den Wölfen zurück hin.“So verging die Nacht – nicht in Rausch und Gebrüll, sondern in Wärme, Liedern, und der stillen Magie eines geteilten Mahls, das aus fernen Landen kam.
Vom duftenden Tranke des Morgens, genannt Kaffee, und dem Geruch frisch gebackener Semmeln geweckt, erhob sich das Rudel der Wölfe im ersten Licht des Tages. Die Sonne kroch eben über die Baumwipfel, als sich Mann und Weib, Alt und Jung, zum großen Frühstück begaben.
Auf langen Tafeln türmten sich die Gaben: goldene Wecken, mit süßem Honig bestrichen, Kuchen aus fremden Landen, mit Beeren und Rahm, und dampfender Trank aus schwarzen Bohnen, der die Lebensgeister weckte. Händler, Spielleut und die Sippen der umliegenden Lager gesellten sich dazu. Manni, der edle Gastgeber, ward mit Bechern und Lobpreisungen überhäuft – „Hoch lebe Manni!“ hallte es durch das Tal.Kaum war der letzte Krümel vom Tische gefegt, öffnete sich der Markt von Neuem, und das Volk strömte herein – Männer mit geschmückten Gürteln, Frauen mit Korbflechtwerk, Kinder mit staunenden Augen. Die Gassen wurden eng, das Treiben laut, das Lachen hell.Scharenweise zog es das Volk zum Axtwurf, wo Jörv mit ernster Miene und gewaltiger Gestalt den Stand bewachte, unterstützt von der klugen Angel. Da so viele Kinder den Stand belagerten, ward Jörv bald matt und nahm sich zuweilen eine Rast. Doch siehe – Ragnar, der heimliche Schattenstreicher, trat hervor und zeigte seine Kunst: Drei Äxte, in einem Wurf, trafen das Ziel – und das Volk raunte staunend.Derweil bereitete Liv allerlei Speis und Backwerk, dass der süße Duft das Lager wie ein Schleier umhüllte. Vidar und Varg gaben sich der edlen Aufgabe hin, die Waffen des Rudels zu erklären – vom Kurzschwert bis zur Streitaxt. Ihre Worte klangen wie Lieder für jene, die des Kampfes Kunde suchten.Leif, der Jarl, wanderte durch das Lager, empfing Gäste, gab Antwort auf Fragen und achtete darauf, dass alle willkommen waren. Leni, flink wie ein Wieselhündlein, reichte helfende Hände, wo Not ward – sei es beim Feuer, am Stand oder mit Kind und Krug.
In jenen wenigen Stunden, da der Andrang schwächer ward, begannen fleißige Hände, die Zelte zu lösen, das Tuch zu falten, die Stangen zu zählen – auf dass des Abends der Abbau kein großes Werk mehr sei.
Der Nachmittag ward von Musik und Reiterspielen begleitet. Recken zu Ross zeigten ihr Können im Sattel, während Lauten und Trommeln die Luft erfüllten, dass mancher Gast im Tanze die Zeit vergaß.
Doch dann – als die Sonne sich neigte und das Abendgold auf den Zelten lag – erklang das Horn des Marktschließers. Der Markt war vorbei.
Im silbernen Mondlicht, fahl wie Elfenhaar, begannen die Wölfe ein letztes Mal ihre Kutschen zu beladen. Die Felle wurden eingerollt, das Eisen verstaut, das Banner zusammengelegt. Kein Wort ward verschwendet, nur das Knistern der Seile und das Schnauben der Pferde füllten die Luft.
Und als alles vollbracht war, trat Leif vor sein Volk. Mit erhobener Stimme, kraftvoll wie Donnerhall, rief er:
„Die Saison ist vorüber – doch unser Feuer wird nicht verlöschen!“
Da erhob sich ein Geheul, wild und frei, dass es über die Felder hallte wie das Lied der Wölfe selbst. Dann zogen sie davon – in die Nacht, in die Stille, in das nächste Jahr, das neue Geschichten bringen wird.































